Kriminalität im Römischen Reich, RömerMuseum Xanten

„Gefährliches Pflaster“

In einer kleinen, aber sehr anschaulich und instruktiv eingerichteten Ausstellung erkundet das LVR-RömerMuseum in Xanten Verbrechen und Strafe in der römischen Antike. Die Sonderschau unter dem Titel „Gefährliches Pflaster“ ist noch bis Mitte Februar 2012 im Untergeschoss des Museums am Archäologischen Park zu sehen.

Ausstellungsraum Kriminalität im Römischen Reich. Foto: jvf / Rechte: LVR-RömerMuseum XantenEine Polizei im heutigen Verständnis kannte die römische Antike nicht, polizeiliche Aufgaben wurden teils vom regulären Militär, teils von paramilitärischen Einheiten wahrgenommen – und das wohl nicht sonderlich effektiv. So blieb sowohl die Verbrechens­vorbeugung als auch die Aufklärung und Anklage im Wesentlichen Sache der römischen Bürger.

Antike Schlüssel, Kriminalität im Römischen Reich. Foto: jvf / Rechte: LVR-RömerMuseum XantenDie Xantener Ausstellung dokumentiert eingangs die Maßnahmen, mit denen Privatleute ihr Eigentum zu sichern versuchten: bauliche Maßnahmen, Fenstergitter, unzählige Schlüssel und Schlösser, gesicherte Truhen, Wachhunde gehörten zum Arsenal, das zum Schutz gegen die weit verbreiteten Einbruchsdiebstähle aufgeboten wurde. Darüber hinaus waren Hausgötter für den Schutz zuständig und wurden dabei von symbolischen Abwehrmächten unterstützt: Löwen, Greife, Gorgonenhäupter waren an Türgriffen und Schlüsseln wachsam.

Dass das Spektrum des Verbrechens sehr ähnlich zum heutigen war, belegen sehr anschaulich u.a. Exponate aus der Praxis der Geldfälschung, des Betrugs (vornehmlich beim Spiel) und zwei eingeschlagene Schädel, die als Opfer eines Gewaltverbrechens präsentiert werden. Fallgeschichten erzählen Grabinschriften, Papyri aus Ägypten und sogenannte Fluchtäfelchen, die die Götter beschwören, nicht ermittelten Kleinkriminellen ihre Taten zu vergelten.

Antike Schädel, Kriminalität  im Römischen Reich. Foto: jvf / Rechte: LVR-RömerMuseum Xanten

Die Grenzen des Strafbaren wurden vor 2000 Jahren freilich in Teilen sehr anders gezogen als heute und die Praxis des Strafens unterschied sich fundamental. Verbrechen und Strafe waren abhängig vom sozialen Status von Täter und Opfer (nun gut, vielleicht ist der Unterschied in der Praxis doch nicht so fundamental), Haftstrafen waren unbekannt und die Todesstrafe war, zumindest bei sozial Geringen, auch in minderen Fällen schnell verhängt – meist durch das Schwert vollstreckt, eher selten durch die berühmte Volksbelustigung im Amphitheater durch Raubtiere.

Man sollte für diese Ausstellung etwas Zeit mitbringen, um sich auf die Begleittexte, Hör- und Interaktionsstationen einzulassen. Ein voluminöser Begleitband zur Ausstellung informiert danach umfassend über den Forschungsstand zur Kriminalität in der Antike, ist angemessen bebildert und für 19.90€ an der Museumskasse und im Buchhandel erhältlich – ein echtes Schnäppchen.

Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich. K: Romina Schiavone. Xanten, LVR-RömerMuseum, 8. Juli 2011 – 12. Februar 2012.

[Die Wiedergabe von Innenaufnahmen aus der Ausstellung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des LVR-RömerMuseums.]