Die Große Kunstausstellung NRW 2017 in Düsseldorf

Gegenwartskunst aus NRW

Noch bis 12. März 2017 ist im Düsseldorfer Museum Kunstpalast die „Große Kunstausstellung NRW 2017“ zu sehen und verschafft mit Werken von rund 150 Künstlern den Überblick über das gegenwärtige Kunstschaffen in NRW.

Die Große Kunstausstellung NRW 2017. Ausstellungsansicht. Foto: jvf
Die Große Kunstausstellung NRW 2017. Ausstellungsansicht. Foto: jvf

Seit nunmehr 115 Jahren organisiert der „Verein zur Veranstaltung von Kunst­ausstellungen“ die Düsseldorfer Leistungs- und Verkaufsschau von Künstlern mit NRW-Bezug. Die Werke sind für vergleichsweise schmales Geld käuflich, von 52.000 € für eine Monumentalmalerei des Düsseldorfer Künstlerduos Deckkraft (#150626, 2015, 3.5 x 9 m) bis kaum mehr als 100 € für kleinformatige Arbeiten.

Die Preisträger 2017

Der mit 5.000 Euro dotierte „Kunstpreis der Künstler“ geht heuer an Hermann Focke. Geboren 1924 im westfälischen Metelen, studiert Focke in den 1950er Jahren an der Werkschule in Münster und dann bei Ewald Mataré an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er lebt und arbeitet seitdem in Düsseldorf. Im Zentrum seiner Arbeit stehen seit Mitte der 1980er Jahre Papierfaltarbeiten, sehr feine, abstrakt-geometrische Skulpturen. Die Große Kunstausstellung NRW hat knapp 70 dieser Objekte vor Ort, dazu vier Metallskulpturen und zehn grafische Arbeiten.

Der Förderpreis (3.000 Euro) sammelt unterdessen der Braunschweiger Künstler Daniel Kuge ein. Kuge (*1984 in Nienburg) hat an der FH Düsseldorf Visuelle Kommunikation und Fotografie studiert und lernt heute an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Er ist auf der Großen Kunstausstellungen mit zwei Handvoll malerischen Arbeiten und Objekten vertreten (die Hälfte in der Dépendance der Kunstausstellung in der SITTart Galerie im Künstleratelierhaus an der Sittarder Straße, fünf Gehminuten vom Ehrenhof enfernt) – sehr strenge, minimalistische, fast etwas freudlose Formen.

Und wer ist ansonsten auffällig unter den diesjährig 150 Künstlern der „Großen Kunstausstellung“? Ein paar eilige Notizen.

Malerei und Zeichnung

Sehr eindringlich sind Vera Keysers’ (*1981 in Essen) monochrome Ölportraits nach fotografischer Vorlage: Anna und Merle (Öl auf Leinwand, 74 x 50 cm, 2015 bzw. 62 x 93 cm, 2016). An der Formensprache der graphic novel orientieren sich dagegen die Tusche- und Graphitzeichnungen von Felix Reinecker (*1985 in Münster) mit Motiven und Portraits aus der Trinkhallenszene: Old Friend I/III/VII (2015/16). Und wenn wir gerade bei Zeichnungen sind: Mir gefallen die fast obsessiv detaillierten Zeichnungen der Kölner Künstlerin Christiane Gerda Schmidt (*1966 in Dortmund). Erkundungen an der Grenze zwischen Natur und Kultur mit Bleistift und Graphit auf Seide, wiederum nach fotografischer Vorlage: Pionier (Pass) und Pionier (Forst) (je 1,3 x 1 m, 2015/14).

Ich weiß nicht, wo man das einsortieren soll, ich nehme das mal als Zeichnungen: Die witzigsten Arbeiten der Großen Kunstausstellung 2017 sind von der Duisburger Künstlerin Stacey Blatt (*1958 in Los Angeles), die mit Martins Trainingsanalysen Leistungskurven der Selbstoptimierung auf Stoff gestickt hat (6-teilig, je 15 x 25 cm, 2016).

Fotografie, Gimp und Videokunst

Im Erdgeschoss des Museum Kunstpalast gibt es einige Hände voll von okay fotografischen Arbeiten zu sehen. Mit dabei sind wieder zwei Arbeiten von Boris Becker (*1961 in Köln): Betonfenster und Lederzimmer (1.5 x 1.2 m bzw. 1.2 x 1.4 m, 2014). Einen starken ersten Eindruck machen auch Cristina de Santanas (*1965 in Ribeira do Pombal) surreale Tableaus Tears of Mother Nature und Paradise Lost (je 1.5 x 2.2 m, 2015), bei denen ich aber mit mir selbst nicht ganz einig bin, ob sie nicht auch ein wenig kitschig sind.

In Sachen Videokunst habe ich keine Kaufempfehlung, aber rate dazu, die leicht zu verfehlende, kleine Galerie im zweiten Stock nicht zu verpassen. Hier gibt’s Raafed Jarahs (*1978 in Arbil) hübsches Video, in dem ein Paar Geier (?) sich Luftkämpfe an Welterbestätten liefern (von der Freiheitsstatue über das Brandenburger Tor zur Blauen Moschee und der Kaaba): Jango and Mango (6:30 min., 2015).

Skulptur und Installation

Sehr sympathisch ist mir die Verbindung aus klarer Form, Monumentalität und filigraner Detailstruktur von Jennifer Lopez Ayalas (*1981 in Düsseldorf) Installation Trauma Mind Map, die schwarze und weiße, halbierte Eierschalen in einer raumgreifenden grafischen Struktur arrangiert (6.4 x 8.2 x 1 m, 2017).

Katalog

Der Katalog zur Ausstellung ist für 18 Euro zu haben und enthält neben knapper Information zu jeder Künstlerin jeweils die Abbildung eines Werks. ok.

Die Große Kunstausstellung NRW 2016. K: Michael Kortländer. Düsseldorf: Museum Kunstpalast, 19. Februar – 12. März 2017.