Goethes Venezianische Epigramme

„Unglückselige Frösche, die ihr Venedig bewohnet!“

Goethes „Venezianische Epigramme“ (1790) gehören zu den bissigsten und kurzweiligsten Stücken deutschsprachiger Venediglyrik.

Goethe in Venedig. Montage aus Francesco Guardi, Vedute des Canal Grande und Tischbein, Goethe in der Campagna. Quellen: Wikimedia Commons / Wikimedia Commons Lizenz: PD-Art

Am 31. März 1790 trifft Goethe in Venedig ein. Es ist sein zweiter Aufenthalt in „diesem Stein- und Wasserneste“. Vor 3½ Jahren hat er auf seiner berühmten „Italienischen Reise“ bereits gut zwei Wochen hier verbracht.

Zur Ankunft ist das Wetter zunächst wenig italienisch und sehr kalt: Anfang April schneit es sogar in Venedig. Aber die Reise habe ihn „recht zusammen­geschüttelt“ und werde ihm „an Leib und Seele wohlthun“, schreibt er seinem Dienstherrn, Herzog Carl August, nach Weimar. Und weiter:

Übrigens muß ich im Vertrauen gestehen, daß meiner Liebe für Italien durch diese Reise ein tödtlicher Stos versetzt wird. Nicht daß mirs in irgend einem Sinne übel gegangen wäre, wie wollt es auch? aber die erste Blüte der Neigung und Neugierde ist abgefallen und ich bin doch auf oder ab ein wenig Schmel­fungischer geworden. Dazu kommt meine Neigung zu dem zurück­gelaßnen Erotio und zu dem kleinen Geschöpf in den Windeln, die ich Ihnen beyde, wie alles das meinige, bestens empfehle.

Gemischte Gefühle also. „Schmelfungisch“ spielt an auf Laurence Sternes Figur „Smelfungus“, den gries­grämigen Reisenden und Karikatur des schottischen (Reise-) Schriftstellers Tobias Smollett. Das „zurück­gelaßne Erotio“ und das „kleine Geschöpf in den Windeln“ sind seine geliebte Christiane und der gemeinsame, gerade einmal vier Monate alte Sohn August Walter.

Die folgenden Wochen verbringt Goethe in Venedig „glücklich und angenehm“, er studiert die „venetianische Malerschule“ und bekennt, „gesehen, gelesen, gedacht, gedichtet“ zu haben „wie sonst nicht in einem Jahr“. Gegen Ende April bessert sich auch das Wetter. Indes, auch dies schreibt er nach Weimar: „Indessen verlang’ ich sehr nach Hause.“

Libellum Epigrammatum

Die Reise ist zunächst eher dienstlicher Natur, Goethe soll die Herzogin­mutter Anna Amalia von ihrer Italien­reise in Venedig erwarten und sie auf ihrem Rückweg nach Weimar begleiten. Die Chefin verspätet sich, erst am 6. Mai trifft sie in Venedig ein. Man bereist sodann zusammen Norditalien: Padua, Vicenza, Verona und Mantua. Erst Mitte Juni 1790 trifft die Reise­gesellschaft wieder in Weimar ein.

Die Reise ist aber auch ein literarisches Projekt. Ein „Libellum Epigrammatum“ wolle er mit zurück bringen, schreibt er dem Herzog direkt nach der Ankunft in Venedig. Und Anfang Mai meldet er nach Hause:

Das Büchlein ist schon auf 100 Epigramme angewachsen; wahrscheinlich gibt mir diese Reise noch eins und das andre.

Mehr als 150 sind heute erhalten (neben vielen Fragmenten). Es sind launische und manchmal übellaunige, bissige und satirische, zärtliche bis zotige Spott- und Sinngedichte nach dem Vorbild des römischen Dichters Marcus Valerius Martialis (Martial). Manches ist damals zu obszön und zu blasphemisch, um veröffentlicht zu werden. Heute mag man mitunter die Stirne runzeln. Aber langweilen kann man sich mit den Venezianischen Epigrammen nicht.

Veröffentlichungen und Unveröffentlichtes

1791 erscheint eine knappe Auswahl von 24 Epigrammen in den Juni- und Oktober-Ausgaben der „Deutschen Monatsschrift“. Sie stehen unter dem Titel „Sinngedichte“ und werden im Inhaltsverzeichnis dem „Herrn Geheimen Rath von Göthe“ zugeschrieben. Als der Abdruck von 103 Epigrammen gut vier Jahre später in Schillers „Musen-Almanach für das Jahr 1796“ erfolgt, bleiben sie aber dann auf Goethes Wunsch ohne Autorenangabe („aus mehreren Ursachen“).

Die Auswahl der 103 Epigramme folgt sicher nicht nur ästhetischen Erwägungen: Vornehmlich die allzu obszönen und auch die allzu religions­kritischen Spöttereien werden aussortiert. Die bleiben auch nach dem Tod Goethes längere Zeit unter Verschluss. Die ehrwürdige Weimarer Goethe-Ausgabe kann sich erst 1914 entschließen, sie in einem Nachtrags­band gesammelt wiederzugeben. Sie sind im folgenden zwischen die 103 Epigramme der Musen-Almanach-Fassung einsortiert.

[Johann Wolfgang von Goethe]
Epigramme.
Venedig 1790.


Hominem pagina nostra sapit.

Haec ego mecum
Compressis agito labris, ubi, quii datur oti
Illudo chartis. Hoc est mediocribus illis
Ex vitiis unum.

[Wie man Geld und Zeit verthan,
Zeigt das Büchlein lustig an.]

[Sagt, wem geb’ ich dieß Büchlein? Der Fürstin die mirs gegeben,
    Die uns Italien noch jetzt in Germanien schafft.]


1.

Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben,
    Faunen tanzen umher, mit der Bachantinnen Chor
Machen sie bunte Reihe, wir sehen lebendig den Marmor;
    Flatternde Vögel! wie schmeckt herrlich dem Schnabel die Frucht!
Und so ziere denn auch den Sarkophagen des Dichters
    Diese Rolle, die er reichlich mit Leben geschmückt.

2.

Kaum erblickt’ ich den blaueren Himmel, die glänzende Sonne,
    Reich vom Felsen herab Epheu zu Kränzen geschmückt,
Sah den emsigen Winzer die Rebe der Pappel verbinden,
    Über die Wiege Virgils kam mir ein laulichter Wind;
Da gesellten sich wieder die Musen zum Freunde, wir pflogen
    Abgerißnes Gespräch, wie es den Wanderer freut.

3.

Immer halt ich die Liebste begierig im Arme geschlossen,
    Immer drängt sich mein Herz fest an den Busen ihr an,
Immer lehnet mein Haupt an ihren Knieen; ich blicke
    Nach dem lieblichen Mund, ihr nach den Augen hinauf.
Weichling! schölte mich einer, und so verbringst du die Tage?
    Ach, ich verbringe sie schlimm! Höre nur wie mir geschieht!
Allen Freuden des Lebens hab ich den Rücken gekehret,
    Schon den zwanzigsten Tag schleppt mich der Wagen umher,
Vetturine trotzen mir nun, es schmeichelt der Kämmrer
    Und der Bediente vom Platz sinnet auf Lügen und Trug.
Will ich ihnen entgehn, so faßt mich der Meister der Posten,
    Postillone sind Herrn, dann die Dogane dazu!
„Ich verstehe dich nicht! Du widersprichst dir! Du schienest
    Paradiesisch zu ruhn, ganz wie Rinaldo beglückt?“
Ach! ich verstehe mich wohl: es ist mein Körper auf Reisen,
    Und es ruhet mein Geist stets der Geliebten im Schooß.

3b.

Viele folgten dir gläubig und haben des irdischen Lebens
    Rechte Wege verfehlt, wie es dir selber erging.
Folgen mag ich dir nicht; ich möchte dem Ende der Tage
    Als ein vernünftiger Mann, als ein vergnügter mich nahn.
Heute gehorch ich dir doch und wähle den Pfad ins Gebirge,
    Dießmal schwärmst du wohl nicht, König der Juden leb wohl.

4.

Noch ist Italien, wie ichs verließ, noch stäuben die Wege,
    Noch ist der Fremde geprellt, stell er sich wie er auch will;
Deutsche Rechtlichkeit suchst du in allen Winkeln vergebens,
    Leben und Weben ist hier, aber nicht Ordnung und Zucht;
Jeder sorgt nur für sich, ist eitel, mistrauet dem andern,
    Und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich.
Schön ist das Land, doch ach! Faustinen find ich nicht wieder,
    Das ist Italien nicht mehr, das ich mit Schmerzen verließ.

5.

Ruhig saß ich in meiner Gondel, und fuhr durch die Schiffe,
    Die in dem großen Kanal viele befrachtete stehn;
Jede Waare findest du da, für jedes Bedürfniß,
    Waizen, Wein und Gemüs, Scheitholz und leichtes Gesträuch;
Schnell drang die Gondel vorbei, mich schlug ein verlorener Lorbeer
    Derb auf die Wangen, ich rief: Daphne verletzest du mich?
Lohn erwartet ich eher! die Nymphe lispelte lächelnd:
    „Dichter sündgen nicht schwer, leicht ist die Strafe, fahr hin.

5b.

In dem engsten der Gäßchen es drängte sich kaum durch die Mauern
    Saß mir ein Mädchen im Weg als ich Venedig durchlief.
Sie war reizend, der Ort, ich ließ mich Fremder verführen
    Ach ein weiter Canal that sich dem Forschenden auf.
Hättest du Mädchen wie deine Canäle Venedig und F….. [Fötzchen]
    Wie die Gäßchen in dir, wärst du die herrlichste Stadt.

5c.

Wenn du schelten willst, so wolle kein Heiliger scheinen,
    Denn ein rechtlicher Mann schweigt und verzeihet uns gern.

5d.

Camper der iüngere trug in Rom die Lehre des Vaters
    Von den Thieren uns vor wie die Natur sie erschuf,
Bäuche nahm und gab, dann Hälse, Pfoten und Schwänze.
    Alles gebrochenes Deutsch so wie geerbter Begriff.
Endlich sagt’ er: „Vierfüßiges Thier wir haben’s vollendet
    Und es bleibet uns nur, Freunde, das Vöglen zurück“
Armer Camper du hast ihn gebüst den Irrthum der Sprache,
    Denn acht Tage darnach lagst du und schlucktest Merkur.

5e.

In ein Puppenspiel hatt’ ich mich Knabe verliebet,
    Lange zog es mich an biß ich es endlich zerschlug.
So griff Lavater iung nach der gekreuzigten Puppe.
    Herz’ er betrogen sie noch wenn ihm der Athem entgeht!

6.

Seh ich den Pilgrim, ich kann mich der Thränen niemals enthalten;
    O! wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff!

7.

Eine Liebe hatt’ ich, sie war mir lieber als alles,
    Aber ich hab’ sie nicht mehr! schweig, und ertrag den Verlust.

8.

Diese Gondel vergleich’ ich der Wiege, sie schaukelt gefällig,
    Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen Sarg und Wiege wir schwanken und schweben,
    Auf dem großen Kanal, sorglos durchs Leben dahin.

9.

Feierlich sehn wir neben dem Doge den Nuncius gehen,
    Sie begraben den Herrn, dieser versiegelt den Stein.
Was der Doge sich denkt, ich weiß es nicht; aber der andre
    Lächelt über den Ernst dieses Gepränges gewiß.

10.

Warum treibt sich das Volk und schreit so? Es will sich ernähren,
    Kinder zeugen, und die nähren so gut es vermag.
Merke dir, Reisender, das, und thue zu Hause desgleichen.
    Weiter bringt es kein Mensch, stell er sich, wie er auch will.

11.

Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie’s machen,
    Daß man komme, daß man plappre, wie gestern so heut!
Scheltet mir nicht die Pfaffen, sie kennen des Menschen Bedürfniß;
    Denn wie glücklich ist er, plappert er morgen wie heut!

12.

Mache der Schwärmer sich Schüler, wie Sand am Meere, der Sand ist
    Sand, die Perle sei mein, du, o vernünftiger Freund.

12b.

Krebse mit nacktem Hintern, die leere Muscheln sich suchten,
    Sie bewohnen und sie wähnen ihr eigenes Haus,
Sind mir seltne Geschöpfe, sie sind so klug als bedürftig;
    Manches kam mir in Sinn, als ich am Ufer sie sah.
Christ und Mensch ist eins! Sagt Lavater! Richtig! Die Christen
    Decken die nackende Schaam weislich mit Menschenvernunft.

12c.

Höllengespenster seyd ihr und keine Christen ihr Schreyer
    Die ihr den lieblichen Schlaf mir von den Augen verscheucht.
Warum macht der Pfaffe soviele tausend Gebärden
    Und verscheuchet euch nicht wieder zur Hölle zurück?

13.

Süß den sprossenden Klee im Frühling mit weichlichen Füßen,
    Und die Wolle des Lamms tasten mit zärtlicher Hand,
Süß voll Blüthen zu sehn die neu lebendigen Zweige,
    Dann das grünende Laub locken mit Sehnsucht im Blick;
Aber süßer, mit Blumen dem Busen der Schäferin schmeicheln,
    Und dies vielfache Glück läßt mich entbehren der May.

13b.

Unglückselige Frösche die ihr Venedig bewohnet!
    Springt ihr zum Wasser heraus, springt ihr auf hartes Gestein.

14.

Diesen Ambos vergleich ich dem Lande, den Hammer dem Fürsten,
    Und dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt.
Weh dem armen Bleche! wenn nur willkührliche Schläge
    Ungewiß treffen, und nie fertig der Kessel erscheint.

15.

Warum macht der Schwärmer sich Schüler und rühret die Menge,
    Wenn der vernünftige Mann einzelne Liebende zählt?
Wunderthätige Bilder sind meist nur schlechte Gemählde,
    Werke des Geists und der Kunst sind für den Pöbel nicht da.

16.

Herrscher möge der seyn, der seinen Vortheil verstehet;
    Doch wir wählten uns den, der sich auf unsern versteht.

17.

Noth lernt beten, sagt man; wer beten will lernen, der gehe
    Nach Italien: Noth findet der Fremde gewiß.

17b.

Heraus mit dem Theile des Herrn! heraus mit dem Theile des Gottes!
    Rief ein unglücklich Geschöpf blind für hysterischer Wuth,
Als, die heiligen Reste Gründonnerstag Abends zu zeigen,
    In Sanct Markus ein Schelm über der Bühne sich wies.
Armes Mädchen was soll dir ein Theil des gekreuzigten Gottes?
    Rufe den heilsamern Theil jenes von Lampsacus her.

17c.

Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder! Der Herr ist
    Auferstanden! – Wer’s glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.

17d.

Zum Erdulden ists gut ein Krist zu sein nicht zu wanken:
    Und so machte sich auch diese Lehre zuerst.

17e.

Was vom Kristenthum gilt, gilt von den Stoikern, freyen
    Menschen geziemet es nicht Krist oder Stoiker seyn.

17f.

Juden und Heiden hinaus! so duldet der christliche Schwärmer.
    Crist und Heide verflucht! murmelt ein jüdischer Bart.
Mit den Cristen an Spies und mit den Juden ins Feuer!
    Singet ein türckisches Kind Christen und Juden zum Spott.
Welcher ist der klügste? Entscheide! Aber sind diese
    Narren in deinem Palast, Gottheit, so geh ich vorbey.

18.

Welch ein heftig Gedränge nach diesem Laden, wie emsig
    Wägt man, empfängt das Geld, reicht man die Waare dahin.
Schnupftobak wird hier verkauft. Das heißt, sich selber erkennen!
    Nieswurz holt sich das Volk ohne Verordnung und Arzt.

18b.

Das gemeine lockt jeden: siehst du in Kürze von vielen
    Etwas geschehen, sogleich dencke nur: dieß ist gemein.

18c.

Wären der Welt die Augen zu öffnen! – Das könnte geschehen!
    Besser du suchest dir selbst und du erfindest dein Theil.

19.

Jeder Edle Venedigs kann Doge werden, das macht ihn
    Gleich als Knabe so fein, eigen, bedächtig und stolz.
Darum sind Oblaten so zart im katholischen Welschland,
    Denn aus demselbigen Teig weihet der Priester den Gott.

20.

Vor dem Arsenal stehn zwei altgriechische Löwen,
    Klein wird neben dem Paar Pforte, Thurm und Kanal.
Käme die Mutter der Götter herab, es schmiegten sich beide
    Vor den Wagen, und sie freute sich ihres Gespanns.
Aber nun ruhen sie traurig, denn der geflügelte Kater
    Überall schnurrt er, und ihn nennet Venedig Patron.

21.

Emsig wallet der Pilger, wird er den Heiligen finden?
    Hören und sehen den Mann, welcher die Wunder gethan?
Nein, es führte die Zeit ihn hinweg, du findest nur Reste,
    Seinen Schädel, ein Paar seiner Gebeine verwahrt.
Wir sind alle Pilger, die wir Italien suchen,
    Nur ein zerstreutes Gebein ehren wir gläubig und froh.

22.

Jupiter Pluvius, heute bist du ein freundlicher Dämon,
    Denn ein vielfach Geschenk giebst du in Einem Moment,
Giebst Venedig zu trinken, und grünes Wachsthum dem Lande,
    Manches kleine Gedicht giebst du dem Büchelchen hier.

23.

Gieße nur, tränke nur fort die roth bemäntelten Frösche,
    Wäßre das durstende Land, daß es uns Brocoli schickt;
Nur durchwäßre mir nicht dieß Büchlein, es sei mir ein Fläschchen
    Reinen Arraks, und Punsch mache sich jeder nach Lust.

24.

Sankt Johannes im Koth heißt eine Kirche; Venedig
    Nenn ich mit doppeltem Recht heute Sankt Markus im Koth.

25.

Hast du Bajä gesehn, so kennst du das Meer und die Fische,
    Hier ist Venedig, du kennst nun auch den Pfuhl und den Frosch.

26.

Schläfst du noch immer? Nur still und laß mich ruhen; erwach ich,
    Nun was soll ich denn hier? Breit ist das Bette, doch leer,
Überall ist Sardinien, wo man allein schläft; und Tibur
    Überall ist es, Freund, wo dich die Liebliche weckt.

27.

Oft sind alle neune gekommen, ich meyne die Musen;
    Doch ich hörte sie nicht, hatte das Mädchen im Schooß.
Nun verließ ich mein Liebchen, mich haben die Musen verlassen,
    Und ich schielte, verwirrt, seitwärts nach Messer und Strick.
Aber der Himmel ist voll von Göttern, du kamst mir zu Hülfe
    Langeweile! du bist Mutter der Musen gegrüßt.

28.

Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? ihr fragt mich? ich hab sie,
    Wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit wenigem viel.
An dem Meere ging ich, und suchte mir Muscheln, in einer
    Fand ich ein Perlchen, es bleibt nun mir am Herzen verwahrt.

29.

Vieles hab ich versucht, gezeichnet, in Kupfer gestochen,
    Öl gemahlt, in Thon hab ich auch manches gedruckt,
Aber unbeständig, und nichts gelernt noch geleistet;
    Nur der Meisterschaft nah bracht ich ein einzig Talent:
Deutsch zu schreiben, und so verderb ich unglücklicher Dichter,
    In dem schlechtesten Stoff, leider nun Leben und Kunst.

30.

Schöne Kinder tragt ihr, und steht mit verdeckten Gesichtern,
    Bettelt. Das heißt mit Macht reden ans männliche Herz;
Jeder wünscht sich ein Knäbchen, wie ihr das Dürftige zeiget,
    Und ein Liebchen, wie man’s unter dem Schleier sich denkt.

31.

Das ist dein eigenes Kind nicht, worauf du bettelst, und rührst mich;
    O! wie rührt mich erst die, die mir mein eigenes bringt!

32.

Warum leckst du dein Mäulchen, indem du mir eilig begegnest?
    Wohl, dein Züngelchen sagt mir, wie gesprächig es sei.

32b.

Einen zierlichen Käfig erblickt ich, hinter dem Gitter
    Regten sich emsig und rasch Mädchen des süßen Gesangs.
Mädchen wissen sonst nur uns zu ermüden, Venedig
    Heil dir daß du sie auch uns zu erquicken ernährst.

33.

Alle Künste lernt und treibt der Deutsche; zu jeder
    Zeigt er ein schönes Talent, wenn er sie ernstlich ergreift.
Eine Kunst nur treibt er, und will sie nicht lernen, die Dichtkunst,
    Darum pfuscht er auch so, Freunde, wir habens erlebt.

34.

Oft erklärtet ihr euch als Freunde des Dichters, ihr Götter,
    Gebt ihm auch, was er bedarf, mäßig ist es, doch viel,
Erstlich freundliche Wohnung, dann leidlich zu essen, zu trinken,
    Gut, der Deutsche versteht sich auf den Nektar wie ihr,
Dann geziemende Kleidung, und Freunde vertraulich zu schwätzen,
    Dann ein Liebchen des Nachts, das ihn von Herzen begehrt.
Diese fünf natürlichen Dinge verlang ich vor allem.
    Gebet mir ferner dazu Sprachen, die alten und neu’n,
Daß ich der Völker Gewerb und ihre Geschichten vernehme,
    Gebt mir ein reines Gefühl, was sie in Künsten gethan,
Wollt ihr mir Ansehn beim Volke, mir Einfluß bei Mächtigen geben,
    Oder was sonst noch bequem unter den Menschen erscheint;
Gut – schon dank ich euch, Götter, ihr habt den glücklichsten Menschen
    Ehstens fertig, denn ihr gabt mir das meiste ja schon.

34b.

Mehr hat Horaz nicht gewollt, er fand es, weniger wollen
    Kann man mit größerm Verdienst und man erhält auch nicht das.

34c.

Eine Liebe wünscht ich und konnte sie niemals gewinnen.
    Wünschen läßt sich noch wohl, aber verdienen nicht gleich.

34d.

Klein ist unter den Fürsten Germaniens freilich der meine;
    Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag.
Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte
    Jeder; da wär’s ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein.
Doch was priesest du Ihn, den Thaten und Werke verkünden?
    Und bestochen erschien’ deine Verehrung vielleicht;
Denn mir hat er gegeben, was Große selten gewähren,
    Neigung, Muße, Vertraun, Felder und Garten und Haus.
Niemand braucht’ ich zu danken als Ihm, und manches bedurft’ ich,
    Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dichter, verstand.
Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben?
    Nichts! Ich habe, wie schwer! meine Gedichte bezahlt.
Deutschland ahmte mich nach, und Frankreich mochte mich lesen.
    England! freundlich empfingst du den zerrütteten Gast.
Doch was fördert es mich, daß auch sogar der Chinese
    Mahlet, mit ängstlicher Hand, Werthern und Lotten auf Glas?
Niemals frug ein Kaiser nach mir, es hat sich kein König
    Um mich bekümmert, und Er war mir August und Mäcen.

34e.

Was auch Helden gethan, was Kluge gelehrt, es verachtet’s
    Wähnender christlicher Stolz neben den Wundern des Herrn.
Und doch schmückt er sich selbst und seinen nackten Erlöser
    Mit dem besten heraus was uns der Heide verlies.
So versammelt der Pfaffe die edlen leuchtenden Kerzen
    Um das gestempelte Brod das er zum Gott sich geweiht.

34.f

Sauber hast du dein Volck erlöst durch Wunder und Leiden
    Nazarener! Wohin soll es dein Häufchen, wohin?
Leben sollen sie doch und Kinder zeugen doch christlich,
    Leider dem früheren Reiz dienet die schädliche Hand.
Will der Jüngling dem Übel entgehn, sich selbst nicht verderben,
    Bringet Lais ihm nur brennende Quaalen für Lust.
Komm noch einmal herab du Gott der Schöpfung und leide,
    Komm, erlöse dein Volck von dem gedoppelten Weh!
Thu ein Wunder und rein’ge die Quellen der Freud und des Lebens
    Paulus will ich dir seyn, Stephanus wie du’s gebeutst.

35.

Eines Menschen Leben ist wenig, doch tausende können
    Reden über den Mann, was er und wie ers gethan;
Weniger ist ein Gedicht, doch können es tausend genießen,
    Tausende tadeln, mein Freund, lebe nur, dichte nur fort.

36.

Müde war ich geworden, nur immer Gemählde zu sehen,
    Herrliche Schätze der Kunst, wie sie Venedig bewahrt.
Denn auch dieser Genuß verlangt Erholung und Muße;
    Nach lebendigem Reiz suchte mein schmachtender Blick.
Gaucklerin! da ersah ich in dir das Urbild der Bübchen,
    Wie sie Johannes Bellin reizend mit Flügeln gemahlt,
Wie sie Paul Veronese mit Bechern dem Bräutigam sendet,
    Dessen Gäste, getäuscht, Wasser genießen für Wein.

37.

Wie von der künstlichsten Hand geschnitzt, das liebe Figürchen,
    Weich und ohne Gebein, wie die Molluska nur schwimmt;
Alles ist Glied, und alles Gelenk, und alles gefällig,
    Alles nach Maaßen gebaut, alles nach Willkühr bewegt;
Vieles kannt ich, Menschen und Thiere und Vögel und Fische,
    Kannte manches Gewürm, Wunder der großen Natur;
Und doch staun ich dich an, Bettine, liebliches Wunder,
    Denn du bist alles zugleich, und bist ein Engel dazu.

38.

Kehre nicht, o Kind, die Beinchen hinauf zu dem Himmel,
    Jupiter sieht dich der Schalk, und Ganymed ist besorgt.

39.

Wende die Füßchen zum Himmel nur ohne Sorge, wir strecken
    Arme betend empor; aber nicht schuldlos, wie du.

40.

Seitwärts neigt sich dein Hälschen, ist das ein Wunder? es träget
    Oft dich Ganze, du bist leicht, nur dem Hälschen zu schwer.
Mir ist sie gar nicht zuwider die schiefe Stellung des Köpfchens,
    Unter schönerer Last beugte kein Nacken sich je.

41.

So verwirret mit seltnen willkührlich verwebten Gestalten,
    Höllisch und dunkel gesinnt, Breughel den schwankenden Blick;
So zerrüttet auch Dürer mit apokalyptischen Bildern,
    Menschen und Grillen zugleich, unser gesundes Gehirn;
So erreget ein Dichter von Sphinxen, Sirenen, Centauren
    Tönend die Neugier mit Macht in dem verwunderten Ohr;
So beweget ein Traum den sorglichen, wenn er zu greifen
    Glaubt, und vorwärts zu gehn, alles veränderlich schwebt;
So verwirrt uns Bettine, wenn sie die Glieder verwechselt,
    Doch erfreut sie uns gleich, wenn sie die Solen betritt.

41b.

Vier gefällige Kinder hast du zum Gaukeln erzogen
    Alter Gauckler und schickst nun sie zum Sammlen umher.
Meine Güter trag ich bey mir! so sagte der Weise,
    Meine Güter, sagst du, hab ich mir selber gemacht.

42.

Gern überschreit’ ich die Gränze, mit breiter Kreide gezogen,
    Macht sie Bottegha das Kind, drängt sie mich artig zurück.

42b.

Amerikanerinn nennst du das Töchterchen alter Phantaste,
    Glücklicher! hast du sie nicht hier in Europa gemacht?

43.

„Ach! mit diesen Seelen was macht er! Jesus Maria!
    „Bündelchen Wäsche sind das, wie man zum Brunnen sie trägt.
„Wahrlich, sie fällt! Ich halt es nicht aus! Komm, gehn wir! wie zierlich!
    „Sieh nur wie steht sie! wie leicht! Alles mit Lächeln und Lust!“
Altes Weib, du bewunderst mit Recht Bettinen, du scheinst mir
    Jünger zu werden und schön, da dich mein Liebling erfreut.

44.

Alles seh ich gerne von dir, doch seh ich am liebsten,
    Wenn der Vater behend über dich selber dich wirft,
Du dich im Schwung überschlägst und, nach dem tödtlichen Sprunge,
    Wieder stehest und läufst, eben als wär nichts geschehn.

44b.

Auszuspannen befiehlt der Vater die zierlichen Schenkel,
    Kindisch der liebliche Theil … [unleserlich] den Teppich herab.
Ach wer einst zuerst dich liebet, er findet die Blüte
    Schon verschwunden, sie nahm frühe das Handwerk hinweg.

44c.

Ich empfehle mich euch! Seyd wacker, sagst du und reichest
    Mir das Tellerchen dar, lächelst und dankest gar schön.
Ach empfohlen bist du genug und wärst du nur älter,
    Wacker wollten wir seyn, wach biß zum Krähen des Hahns.

44d.

Zürnet nicht ihr Frauen daß wir das Mädchen bewundern:
    Ihr genießet des Nachts was sie am Abend erregt.

44e.

Was ich am meisten besorge: Bettina wird immer geschickter,
    Immer beweglicher wird jegliches Gliedchen an ihr;
Endlich bringt sie das Züngelchen noch ins zierliche F…
    Spielt mit dem artigen Selbst, achtet die Männer nicht viel.

45.

Schon entrunzeln sich alle Gesichter, die Furchen der Mühe,
    Sorg’ und Armuth, sie fliehn, Glückliche glaubt man zu sehn.
Dir erweicht sich der Schiffer, und klopft dir die Wangen, die Seckel,
    Thun sich kärglich dir zwar, aber sie thun sich doch auf;
Und der Bewohner Venedigs entfaltet den Mantel, und reicht dir,
    Eben als flehtest du laut bei den fünf Wunden des Herrn,
Bei dem Herzen der seligsten Jungfrau, beim heiligen Anton,
    Bei der feurigen Quaal, welche die Seelen durchfegt.
Jeder kleine Knabe, der Schiffer, der Höker, der Bettler
    Drängt sich, und freut sich bei dir, daß er ein Kind ist wie du.

46.

Dichten ist ein lustiges Handwerk, nur find ich es theuer;
    Wie dieß Büchlein mir wächst, gehn die Zecchinen mir fort.

47.

„Welch ein Wahnsinn ergriff dich im Müßiggang? hältst du nicht inne?
    Wird dieß Mädchen ein Buch? Stimme was klügeres an.“
Wartet, bald will ich die Könige singen, die Großen der Erde,
    Wenn ich ihr Handwerk und sie besser begreife wie jetzt.
Unterdessen sing ich Bettinen, denn Gaukler und Dichter
    Sind gar nahe verwandt, ziehen sich überall an.

47b.

Alles was ihr wollt, ich bin euch wie immer gewärtig
    Freunde, doch leider allein schlafen, ich halt es nicht aus.

48.

Geht zu meiner Linken, ihr Böcke! wird künftig der Richter
    Sagen, und Schäfchen, seyd mir ruhig zur Rechten gestellt.
Wohl! Doch eines ist noch von ihm zu hoffen, dann sagt er:
    Kommt, Vernünftige, mir grad gegen über zu stehn.

49.

Wißt ihr, wie ich gewiß euch Epigramme zu Schaaren
    Fertige, führet mich nur weit von der Liebsten hinweg.

49b.

Wie der Mensch das Pfuschen so liebt! Fast glaub ich dem Mythus,
    Der mir erzählet ich sey selbst ein verpfuschtes Geschöpf.

50.

Alle Freiheits–Apostel sie waren mir immer zuwider,
    Denn es suchte doch nur jeder die Willkühr für sich.
Willst du viele befrein, so wag es vielen zu dienen!
    Wie gefährlich das sei, willst du es wissen? versuchs.

51.

Könige wollen das Gute, die Demagogen desgleichen,
    Sagt man, doch irren sie sich, Menschen, ach! sind sie, wie wir.
Nie gelingt es der Menge für sich zu wollen, wir wissens,
    Doch wer verstehet für uns alle zu wollen? Er zeig’s.

52.

Kreuzigen sollte man jeglichen Schwärmer im dreißigsten Jahre,
    Kennt er nur einmal die Welt; wird der Betrogne der Schelm.

53.

Frankreich hat uns ein Beispiel gegeben, nicht daß wir es wünschten
    Nachzuahmen, allein merkt, und beherzigt es wohl.

54.

Tolle Zeiten hab ich erlebt, und hab nicht ermangelt
    Selbst auch thörigt zu seyn, wie es die Zeit mir gebot.

54b.

Dich betrügt der Staatsmann, der Pfaffe, der Lehrer der Sitten,
    Und dieß Kleeblatt wie tief betest du Pöbel es an.
Leider läßt sich noch kaum was rechtes denken und sagen
    Das nicht grimmig den Staat, Götter und Sitten verlezt.

55.

„Sage, thun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen,
    Sieh wie ungeschickt wild, sieh nur, wie dumm er sich zeigt.“
Ungeschickt scheint er und dumm, weil ihr ihn eben betrüget,
    Seyd nur redlich, und er, glaubt mir, ist menschlich und klug.

55b.

Guten schreibt er, das glaub ich, die Menschen müssen wohl gut seyn
    Die das alberne Zeug lesen und glauben an ihn.
Weisen denckt er zu schreiben, die Weisen mag ich nicht kennen:
    Ist das Weisheit, bey Gott, bin ich mit Freuden ein Thor.

56.

Fürsten prägen so oft, auf kaum versilbertes Kupfer,
    Ihr bedeutendes Bild, lange betrügt sich das Volk.
Schwärmer prägen den Stempel des Geistes auf Unsinn und Lügen,
    Wer den Probierstein nicht hat, hält sie für redliches Gold.

57.

Jene Menschen sind toll, so sagt ihr von heftigen Sprechern,
    Die wir in Frankreich so laut hören auf Straßen und Markt;
Auch mir scheinen sie toll, doch redet ein Toller in Freiheit
    Weise Sprüche, wenn ach! Weisheit im Sklaven verstummt.

58.

Lange haben die Großen der Franzen Sprache gesprochen,
    Halb nur geachtet den Mann, dem sie vom Munde nicht floß;
Nun lallt alles Volk entzückt die Sprache der Franken,
    Zürnet Mächtige nicht, was ihr verlangtet, geschieht.

59.

„Epigramme seyd nicht so frech!“ Warum nicht? Wir sind nur
    Überschriften, die Welt hat die Kapitel des Buchs.

59b.

Jungfer! ruf ich das Mädchen, ist, Jungfer, der Herr nicht zu Hause?
    Aber sie hört nicht, der Ruf schlägt ihr am Ohre nicht an.

59c.

Fürchte nicht, liebliches Mädchen, die Schlange die dir begegnet!
    Eva kannte sie schon, frage den Pfarrer mein Kind.

60.

Wie dem hohen Apostel ein Tuch voll Thiere gezeigt ward,
    Rein und unrein, so zeigt, Lieber, das Büchlein sich dir.

61.

Ob ein Epigramm wohl gut sei? wer kann es entscheiden?
    Weiß man doch eben nicht stets, was er sich dachte, der Schalk.

62.

Je gemeiner es ist, je näher dem Neide, der Mißgunst,
    Desto eher begreifst du das Gedichtchen gewiß.

63.

Chloe schwöret, sie liebt mich, ich glaubs nicht. Aber sie liebt dich!
    Sagt mir ein Kenner. Schon gut, glaubt’ ichs, da wär’ es vorbei.

64.

Niemand liebst du, und mich liebst du so heftig, Philarchos,
    Ist denn kein anderer Weg mich zu bezwingen, als der?

65.

Ist’s denn so großes Geheimniß, was Gott und der Mensch und die Welt sei?
    Nein! Doch niemand mags gern hören, da bleibt es geheim.

66.

Vieles kann ich ertragen! die meisten beschwerlichen Dinge
    Duld ich mit ruhigem Muth, wie es ein Gott mir gebeut;
Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider,
    Viere, Rauch des Tobaks, Wanzen und Knoblauch und †

66b.

„Warum willst du den Christen des Glaubens selige Wonne
    Grausam rauben?“ Nicht ich, niemand vermag es zu thun.
Steht doch deutlich geschrieben: die Heyden toben vergeblich.
    Seht, ich erfülle die Schrift, lest und erbaut euch an mir.

66c.

Helden herrlich zu seyn beschädigen tausende. Tadelt
    Nicht den Dichter der auch wie ein Eroberer denkt.

67.

Lange hätt’ ich euch gern von jenen Thierchen gesprochen,
    Die so zierlich und schnell fahren dahin und daher.
Schlängelchen scheinen sie gleich, doch viergefüßet, sie laufen,
    Kriechen und schleichen, und leicht schleppen das Schwänzchen sie nach.
Seht hier sind sie! und hier! sie sind verschwunden! wo sind sie?
    Welche Ritze, welch Kraut nahm die Entfliehenden auf?
Wollt ihr mir’s künftig erlauben; so nenn ich die Thierchen Lacerten,
    Denn ich brauche sie noch oft als gefälliges Bild.

68.

Wer Lacerten gesehn hat, der kann sich die zierlichen Mädchen
    Denken, die über den Platz fahren dahin und daher.
Schnell und beweglich sind sie, und gleiten, stehen und schwätzen,
    Und es rauscht das Gewand hinter der Eilenden drein.
Sieh! hier ist sie! und hier! verlierst du sie einmal, so suchst du
    Sie vergebens, so bald kommt sie nicht wieder hervor.
Wenn du aber die Winkel, die Gäßchen und Treppchen nicht scheuest,
    Folg’ ihr, wie sie dich lockt, in die Spelunke hinein.

69.

Was Spelunke nun sei? verlangt ihr zu wissen, da wird ja
    Fast zum Lexicon dies epigrammatische Buch;
Dunkle Häuser sind es in engen Gäßchen, zum Kaffee
    Führt dich die Schöne, und sie zeigt sich geschäftig, nicht du.

69b.

Seyd ihr ein Fremder, mein Herr? bewohnt ihr Venedig? so fragten
    Zwey Lacerten die mich in die Spelunke gelockt.
Rathet! – Ihr seyd ein Franzos! ein Napolitaner! Sie schwatzten
    Hin und wieder und schnell schlürften sie Kaffe hinein.
Thun wir etwas! Sagte die Schönste, sie setzte die Tasse
    Nieder, ich fühlte sogleich ihre geschäftige Hand.
Sacht ergriff ich und hielte sie fest; da streckte die zweyte
    Zierliche Fingerchen aus und ich verwehrt es auch ihr.
Ach! es ist ein Fremder! so riefen sie beyde; sie scherzten
    Baten Geschencke sich aus, die ich doch sparsam verlieh.
Drauf bezeichneten sie mir die entferntere Wohnung
    Und zu dem wärmeren Spiel spätere Stunden der Nacht.
Kannten diese Geschöpfe sogleich den Fremden am Weigern,
    O so wißt ihr warum blaß der Venetier schleicht.

70.

Zwei der feinsten Lacerten, sie hielten sich immer zusammen,
    Eine beinahe zu groß, eine beinahe zu klein.
Siehst du beide zusammen, so wird die Wahl dir unmöglich,
    Jede besonders, sie schien einzig die schönste zu seyn.

71.

Weise Leute, sagt man, sie wollten besonders dem Sünder
    Und der Sünderin wohl, geht mirs doch eben auch so.

72.

Wär ich ein häußliches Weib, und hätte, was ich bedürfte,
    Treu und froh wollt ich seyn, herzen und küssen den Mann.
So sang, unter andern gemeinen Liedern, ein Dirnchen
    Mir in Venedig, und nie hört ich ein frömmer Gebet.

72b.

Caffé wollen wir trinken mein Fremder! – da meynt sie branliren;
    Hab ich doch, Freunde, mit Recht immer den Caffé gehaßt.

72c.

„Wagst du Deutsch zu schreiben unziemliche Sachen!“ – Mein Guter
    Deutsch dem kleinen Bezirk leider ist griechisch der Welt.

73.

Wundern kann es mich nicht, daß Menschen die Hunde so lieben,
    Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund.

73b.

Achte hatt’ ich gesetzt, nun ist die neune gezogen
    Sieh wie nah ich schon war, nächtens treff ich die Zahl.
Und so klagen die Menschen, die sich dem Zufall vertrauen
    Jeder schmiede sein Glück aber brauche Kraft

74.

Frech wohl bin ich geworden, es ist kein Wunder. Ihr Götter
    Wißt, und wißt nicht allein, daß ich auch fromm bin und treu.

75.

Hast du nicht gute Gesellschaft gesehn? es zeigt uns dein Büchlein
    Fast nur Gaukler und Volk, und was noch niedriger ist.
Gute Gesellschaft hab ich gesehn, man nennt sie die gute,
    Wenn sie zum kleinsten Gedicht keine Gelegenheit giebt.

76.

Was mit mir das Schicksal gewollt? es wäre verwegen,
    Das zu fragen, denn meist will es mit vielen nicht viel.
Einen Dichter meint es zu bilden; es wär ihm gelungen,
    Hätte die Sprache sich nicht unüberwindlich gezeigt.

76b.

Gieb mir statt „Der Sch….“ ein ander Wort o Priapus
    Denn ich Deutscher ich bin übel als Dichter geplagt.
Griechisch nennt ich dich φαλλός, das klänge doch prächtig den Ohren,
    Und lateinisch ist auch Mentula leidlich ein Wort.
Mentula käme von Mens, der Sch…. ist etwas von hinten,
    Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß.

76c.

Wenn ein verständiger Koch ein artig Gastmal bereitet,
    Mischt er unter die Kost vieles und vieles zugleich.
So genießet auch ihr dieß Büchlein und kaum unterscheidet
    Alles ihr was ihr genießt. Nun es bekomm euch nur wohl.

77.

Mit Botanik giebst du dich ab? Mit Optik? Was thust du?
    Ist es nicht schönrer Gewinn, rühren ein zärtliches Herz?«
Ach! die zärtlichen Herzen! ein Pfuscher vermag sie zu rühren,
    Sei es mein einziges Glück dich zu berühren, Natur!

78.

Weiß hat Newton gemacht aus allen Farben. Gar manches
    Hat er euch weiß gemacht, das ihr ein Säkulum glaubt.

79.

„Alles erkläret sich wohl, so sagt mir ein Schüler, aus jenen
    Theorieen, die mich weislich der Meister gelehrt.“
Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert,
    Paßt ein lebendiger Leib freilich zur Strafe daran.

80.

Wenn auf beschwerlichen Reisen ein Jüngling zur Liebsten sich windet,
    Hab er dieß Büchlein, es ist reizend und tröstlich zugleich;
Und erwartet dereinst ein Mädchen den Liebsten, sie halte
    Dieses Büchlein, und nur, kommt er, so werfe sies weg.

81.

Wie die Winke des Mädchens, das keine Zeit hat, und eilig
    Im Vorbeigehn nur freundlich mir streifet den Arm,
So vergönnt, ihr Musen, dem Reisenden kleine Gedichte,
    O! behaltet dem Freund größere Gunst noch bevor.

82.

Wenn in Dunst und Wolken verhüllt, die Sonne nur trübe
    Stunden sendet; wie still wandeln die Pfade wir fort!
Dränget der Regen den Wandrer; wie ist uns des ländlichen Daches
    Schirm willkommen! wie sanft ruht sichs in stürmischer Nacht!
Aber die Göttin kehret zurück! schnell scheuche die Nebel
    Von der Stirne hinweg! gleiche der Mutter Natur.

83.

Willst du die Freuden der Liebe mit reinem Gefühle genießen;
    O! so laß Frechheit und Ernst ferne vom Herzen dir seyn;
Jene will Amorn verjagen, und dieser denkt ihn zu fesseln,
    Siehe, da lächelt der Gott beiden das Gegentheil zu.

84.

Göttlicher Morpheus, umsonst bewegst du die lieblichen Mohne,
    Dieses Auge bleibt wach, drückt mir es Amor nicht zu.

85.

Liebe flößest du ein und Begier, ich fühl’ es und brenne,
    Liebenswürdige, nun flöße Vertrauen mir ein.

86.

Ha! ich kenne dich, Amor, so gut als einer! Da bringst du
    Deine Fackel, und sie leuchtet im Dunkeln uns vor.
Aber du führest uns bald verworrene Pfade, wir brauchten
    Deine Fackel erst recht, ach! und die Falsche verlischt.

86b.

Hat dich Hymen geflohn? Hast du ihn gemieden? – Was sag ich?
    Hymen! köstlich ist er, aber zu ernsthaft für mich.
Aus dem Ehbett darf man nicht schwätzen und Dichter sind schwatzhaft.
    Freye Liebe sie läßt frey uns die Zunge, den Muth.

87.

Eine Einzige Nacht an deinem Herzen! – das andre
    Giebt sich. Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht.
Ja, ich erlebe den Morgen, an dem Aurora die Freunde
    Busen an Busen belauscht, Phöbus, der frühe, sie weckt.

88.

Ist es Ernst, so zaudre nicht länger, und mache mich glücklich.
    Wolltest du scherzen? es sey, Liebchen, des Scherzes genug.

89.

Daß ich schweige, verdrießt dich? Was soll ich reden? Du merkest
    Auf der Seufzer, des Blicks leise Beredsamkeit nicht.
Eine Göttin vermag der Lippe Siegel zu lösen,
    Nur Aurora, sie weckt einst dir am Busen mich auf;
Ja dann töne mein Hymnus den frühen Göttern entgegen,
    Wie das Memnonische Bild lieblich Geheimnisse sang.

90.

Seht, so schein ich mein Herz bald dieser Schönen, bald jener
    Zuzuwerfen, doch gleich kehrt es im Fluge zurück.

91.

O! wie achtet’ ich sonst auf alle Zeiten des Jahres!
    Grüßte den kommenden Lenz, sehnte dem Herbste mich nach;
Aber nun ist kein Sommer, kein Winter, seitdem mich Beglückten
    Amors Fittig bedeckt, ewiger Frühling umschwebt.

92.

Sage wie lebst du? Ich lebe! und wären hundert und hundert
    Jahre dem Menschen gegönnt, wünscht’ ich mir morgen, wie heut.

93.

Götter, wie soll ich euch danken? Ihr habt mir alles gegeben,
    Was der Mensch sich erfleht, nur in der Regel fast nichts.

94.

In der Dämmrung des Morgens den höchsten Gipfel erklimmen,
    Frühe den Boten des Tags grüßen, dich freundlichen Stern,
Ungeduldig die Blicke der Himmelsfürstin erwarten,
    Wonne des Jünglings! wie oft locktest du Nachts mich heraus!
Nun erscheint ihr mir Boten des Morgens, ihr himmlischen Augen
    Meiner Geliebten, und stets kommt mir die Sonne zu früh.

95.

Du erstaunest, und zeigst mir das Meer, es scheinet zu brennen,
    Wie bewegt sich die Flut flammend ums nächtliche Schiff.
Mich verwundert es nicht, das Meer gebahr Aphroditen,
    Und entsprang nicht aus ihr, uns eine Flamme, der Sohn?

96.

Glänzen sah ich das Meer und blinken die liebliche Welle,
    Frisch mit günstigem Wind zogen die Segel dahin.
Keine Sehnsucht fühlte mein Herz, es wendet mein Auge
    Nach dem Schnee des Gebirgs, rückwärts, den schmachtenden Blick.
Welche Schätze liegen mir südwärts, doch einer in Norden
    Zieht, ein großer Magnet, unwiderstehlich zurück.

97.

Ach! mein Mädchen verreist! Sie steigt zu Schiffe! – Mein König!
    Aolus! mächtiger Fürst! halte die Stürme zurück!
Thörigter! ruft mir der Gott zu, befürchte nicht wüthende Stürme,
    Fürchte das Lüftchen, wenn sanft Amor die Flügel bewegt.

97b.

Welche Hoffnung ich habe? Nur eine die heut mich beschäftigt,
    Morgen mein Liebchen zu sehn das ich acht Tage nicht sah.

98.

Arm und kleiderlos war sie, als ich das Mädchen geworben,
    Damals gefiel sie mir nakt, wie sie mir jetzt noch gefällt.

98b.

Köstliche Ringe besitz ich! Gegrabne fürtreffliche Steine
    Hoher Gedanken und Styls fasset ein lauteres Gold.
Theurer bezahlt man die Ringe geschmückt mit feurigen Steinen,
    Blinken hast du sie oft über dem Spieltisch gesehn.
Aber ein Ringelchen kenn ich, das hat sich anders gewaschen,
    Das Hans Carvel einmal traurig im Alter besas.
Unklug schob er den kleinsten der zehen Finger ins Ringchen,
    Nur der größte gehört, würdig, der eilfte, hinein.

99.

Oftmals hab ich geirrt, und habe mich wieder gefunden,
    Aber glücklicher nie, nun ist dies Mädchen mein Glück!
Ist auch das ein Irrthum, so schont mich, ihr klügeren Götter,
    Und benehmt mir ihn erst drüben am kalten Gestad.

100.

Traurig, Midas, war dein Geschick! in bebenden Händen
    Fühltest du, hungriger Greis, schwere verwandelte Kost.
Lustiger geht mirs auf ähnliche Weise, denn was ich berühre
    Wird mir unter der Hand gleich ein behendes Gedicht.
Gern ertrag’ ich das Schicksal, ihr Musen, nur daß ihr mein Liebchen,
    Drück’ ich sie fest an die Brust, mir nicht zum Mährchen verkehrt.

100b.

Aus zu eklem Geschmack verbrannte Nauger Martialen.
    Wirfst du das Silber hinweg, weil es nicht Gold ist? Pedant!

100c.

Alle Weiber sind Waare, mehr oder weniger kostet
    Sie den begierigen Mann der sich zum Handel entschließt.
Glücklich ist die Beständige die den Beständigen findet,
    Einmal nur sich verkauft und auch nur einmal gekauft wird.

100d.

Lange sucht ich ein Weib mir, ich suchte, da fand ich nur Dirnen,
    Endlich erhascht ich dich mir Dirnchen, da fand ich ein Weib.

100e.

Ob erfüllt sey was Moses und was die Propheten gesprochen
    An dem heiligen Christ, Freunde, das weiß ich nicht recht.
Aber das weiß ich: erfüllt sind Wünsche, Sehnsucht und Träume,
    Wenn das liebliche Kind süß mir am Busen entschläft.

100f.

Nackend willst du nicht neben mir liegen, du süße Geliebte,
    Schamhaft hältst du dich noch mir im Gewande verhüllt.
Sag mir: begehr ich dein Kleid? begehr ich den lieblichen Körper?
    Nun, die Schaam ist ein Kleid! zwischen Verliebten hinweg!

100g.

Knaben liebt ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen,
    Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch.

100h.

Alle sagen mir, Kind, daß du mich betriegest,
    O betriege mich nur immer und immer so fort.

100i.

Ach! sie neiget das Haupt die holde Knospe, wer gießet
    Eilig erquickendes Naß neben die Wurzel ihr hin?
Daß sie froh sich entfalte, die schönen Stunden der Blüthe
    Nicht zu frühe vergehn, endlich auch reife die Frucht.
Aber auch mir – mir sinket das Haupt von Sorgen und Mühe.
    Liebes Mädchen! Ein Glas schäumenden Weines herbei.

101.

Ach! mein Hals ist ein wenig geschwollen! so sagte mein Liebchen
    Ängstlich. – Stille, mein Kind, still und vernehme das Wort:
Dich hat die Hand der Venus berührt, sie deutet dir leise,
    Daß sie das Körperchen bald, ach! unaufhaltsam verstellt,
Bald verdirbt sie die schlanke Gestalt, die zierlichen Brüstchen,
    Alles schwillt nun, es paßt nirgend das neuste Gewand.
Sei nur ruhig, es deutet die fallende Blüte dem Gärtner,
    Daß die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht.

102.

Wonniglich ist’s, die Geliebte verlangend im Arme zu halten,
    Wenn ihr klopfendes Herz Liebe zuerst dir gesteht.
Wonniglicher, das Pochen des Neulebendigen fühlen,
    Das in dem lieblichen Schooß immer sich nährend bewegt.
Schon versucht es die Sprünge der raschen Jugend, es klopfet
    Ungeduldig schon an, sehnt sich nach himmlischem Licht.
Harre noch wenige Tage! Auf allen Pfaden des Lebens
    Führen die Horen dich streng, wie es das Schicksal gebeut.
Widerfahre dir, was dir auch wolle, du wachsender Liebling,
    Liebe bildete dich, werde dir Liebe zu Theil.

103.

Und so tändelt’ ich mir, von allen Freuden geschieden,
    In der neptunischen Stadt Tage wie Stunden hinweg.
Alles was ich erfuhr, würzt’ ich mit süßer Erinnrung,
    Würzt’ ich mit Hoffnung, sie sind lieblichste Würzen der Welt.

103b.

Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel
    Daß ein Gärtchen beschränkt, zierlich mein eigen gehört.
Bringet mich wieder nach Hause! was hat ein Gärtner zu reisen?
    Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.


Zusammenstellung und Textgestalt

Grundlage dieser Zusammen­stellung ist die Veröffent­lichung der 103 Epigramme in Schillers „Musen-Almanach für das Jahr 1796“ (S. 205-260) – Die Klassik Stiftung Weimar hat ein Digitalisat online (Digitale Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek). Hilfreich ist zudem das Transkript auf Wikisource, das nur an wenigen Stellen der Korrektur bedarf.

Die Textgestalt richtet sich nach der Veröffent­lichung im Musen-Almanach. Goethe hat die Epigramme später zum Teil deutlich überarbeitet. Diese späteren Fassungen sind sicher metrisch korrekter und sprachlich ausgefeilter. Aber die Fassungen des Musen-Almanach sind sprachlich frischer und mitunter präziser und passen daher besser zu den seinerzeit nicht veröffent­lichten Epigrammen.

Die nicht im „Musen-Almanach“ veröffentlichten Epigramme sind nach den Lesarten von Band 1 (1887) und der Zusammenstellung in Band 53 (1914) der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken hinzugefügt (archive.org hat Digitalisate: Band 1, Band 53 ). Sie sind in dieser Wiedergabe durch die nachgestellten Buchstaben in der Nummerierung zu erkennen. Und sie sind hier einsortiert nach Maßgabe der Reihenfolge in den Manuskripten Goethes, soweit sich diese den Angaben der Weimarer Ausgabe entnehmen lässt. Man muss sich vor Augen halten, dass Goethe eine Zusammen­stellung oder gar Veröffent­lichung in dieser Form und Reihenfolge nicht beabsichtigt hat.

Typographische Besonderheiten sind normalisiert (Anführungs­zeichen, Umlaute in Groß­schreibung), die Ortho­graphie hält sich aber streng an die Vorlagen, auch da, wo skurrile Schreibungen auftreten (vgl. etwa Cristen, Krist, Christen, Kristenthum in Nr. 17d-17f.).