Die wichtigsten Ausstellungen im Rheinland 2010

Mit der RUHR.2010, der Quadriennale in Düsseldorf und großen Schauen in Bonn ist die Rheinprovinz im Jahr 2010 ausgesprochen gut mit vielversprechenden Ausstellungen versorgt.

[Die aktuelle Vorschau auf Ausstellungen des Jahres 2018 finden Sie hier: Die wichtigsten Ausstellungen 2018 in NRW.]

Zeche Zollverein in Essen. Foto: Thomas Robbin. Lizenz: CC-BY-SA-3.0Der Ausstellungsschwerpunkt der Rheinprovinz wird sich im Jahr 2010 etwas in Richtung nordöstlicher Peripherie verlagern. Daran ist natürgemäß schuld das Projekt RUHR.2010 im Allgemeinen und die Europäische Kulturhauptstadt Essen im Besonderen. Jedenfalls präsentiert dort ab Januar nicht nur auf Zollverein das Ruhr Museum seine Dauerausstellung zur Geschichte des Ruhrgebiets, sondern macht auch der Neubau des Museums Folkwang die Sammmlung des Museums wieder zugänglich:

Im Frühjahr dann wird sich das Folkwang in einer ersten großen Sonderausstellung seiner Wurzeln vergewissern und die Sammlungsgeschichte bis zur nationalsozialistischen Plünderung seiner Bestände rekonstruieren:

Das ganze Programm der RUHR.2010 kann man sich übrigens hier herunterholen.

Alle vier Jahre

Aber nicht nur in Essen wird 2010 eine Wiederöffnung gefeiert: Das K20 der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz in Düsseldorf wird ab 10. Juli wieder bespielt, nach mehr als zweijähriger Schließung wegen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten. Nachdem dann auch das K21 im Ständehaus für einige Wochen im Januar und Februar zwecks Sanierung geschlossen sein wird, sollten im Herbst beide Häuser stadtfein gemacht sein für die zweite Düsseldorfer Quadriennale. In deren Mittelpunkt steht Kunst mit Düsseldorfer Stallgeruch aus den letzten fünfzig Jahren:

Standortbestimmungen, Gegenwart

Vorher verschafft die Große Kunstausstellung NRW in Düsseldorf – leider nur drei Wochen lang – den Überblick über die aktuelle Kunstproduktion im Westen. Zum Glück aber räumt im sommerlichen Bonn das Kunstmuseum – drei Monate lang – seine Räume frei für den Versuch einer „Standortbestimmung der Kunstlandschaft des Rheinlandes“:

Unter den Einzelaustellungen zur Gegenwartskunst sind vor allem zwei Werkschauen in Bonn zu nennen. Die eine mit Arbeiten des englischen Konzeptkünstlers Liam Gillick, die andere mit Werken des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte:

¡México! und lateinamerikanische Moderne

In Sachen klassischer Moderne wirft die Kunst- und Ausstellungshalle später im Jahr einen Überblick auf Lateinamerika:

Wer auf Lateinamerikanisches so lange nicht warten möchte, kann einen Ausflug nach Brüssel planen, wo im Frühjahr der Palast der Schönen Künste gleich fünf Ausstellungen dem 200- bzw. 100-jährigen Jubiläum der mexikanischen Unabhängigkeit bzw. Revolution widmet: u.a. eine Schau mit Werken von Frida Kahlo und eine Ausstellung mit mexikanischen Portraits:

Wem es dabei nur um Frida Kahlo geht, wird aber vielleicht besser im Sommer nach Berlin fahren, wo die Berliner Festspiele eine umfassende Retrospektive planen:

Suprematismus, Impressionismus, Expressionismus und Pop

Aber zurück zur europäischen klassischen Moderne und zurück in die Rheinprovinz. Im Rahmen der RUHR.2010 hat es in Duisburg eine große Giacometti-Ausstellung, die sich um die wundersame hauseigene „Frau auf dem Wagen“ gruppiert, während in Köln das Museum Ludwig zuerst seine Malewitsch-Bestände aus dem Magazin hervor holt und später dann Werke von Roy Lichtenstein zeigt:

Eine Unterversorgung in Sachen Impressionismus ist auch 2010 nicht zu befürchten. Während sich das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum vom Besucheransturm auf seine Monet-Ausstellung erholen kann (noch bis 28. Februar ist die offen), ist es nicht mehr lang bis in Köln Landschaften deutscher Impressionisten zu sehen sind. Und im Herbst ist dann das Folkwang Museum in Essen mit Bildern der Metropole Paris zur Stelle:

Wem das nicht reicht muss einen Ausflug nach Frankfurt erwägen, wo die Schirn Werke des Neoimpressionisten Georges Seurat zeigt. Geduldet man sich damit bis Ende April, kann man auch gleich eine Retrospektive auf das Werk von Ernst Ludwig Kirchner im Städel mitnehmen:

Zwischen Hindukusch und Himalaya

Hagia Sophia in Istanbul. Foto: jvfIn Sachen Kulturgeschichte ist natürlich auch 2010 die Kunst- und Austellungshalle in Bonn führend. Im Frühjahr wird da von Pracht und Alltag im byzantinischen Reich erzählt, im Sommer geht’s weiter an den Hindukusch mit Schätzen aus dem Nationalmuseum in Kabul. Der Himalaya ist da dem Kölner Museum für Ostasiatische Kunst näher, wenn es im Frühjahr Heilige Kunst aus dem Königreich Bhutan zeigt und so das rheinische Bruttonationalglück zu steigern sucht:

Etwas bodenständiger geben sich zwei meiner Lieblingsmuseen. Das Rheinische Landesmuseum in Bonn wird sich um die „Renaissance am Rhein“ verdient machen. Das Neanderthal Museum bei Mettmann, das sich jetzt mit dem Deutschen Archäologiepreis 2009 schmücken darf, folgt dagegen auch 2010 seinem Hang zum Schauerlichen und wird die Geschichte mittelalterlicher und neuzeitlicher Justizpraxis gewohnt spektakulär inszenieren: