Die Große Kunstausstellung NRW 2016 in Düsseldorf

Gegenwartskunst aus NRW

Noch bis 13. März 2016 ist im Düsseldorfer Museum Kunstpalast die „Große Kunstausstellung NRW 2016“ zu sehen und verschafft mit Werken von 118 Künstlern den Überblick über das gegenwärtige Kunstschaffen in NRW.

Die Große Kunstausstellung NRW 2016 im Museum Kunstpalast Düsseldorf, Ausstellungsansicht

Seit mehr als 110 Jahren organisiert der „Verein zur Veranstaltung von Kunst­ausstellungen“ nunmehr die Düsseldorfer Leistungs- und Verkaufsschau von Künstlern mit NRW-Bezug. Die Werke, ausgewählt von einer siebenköpfigen Jury aus Künstlern und Museumpraktikern, sind für vergleichsweise schmales Geld käuflich, von 42.000 € für eine Großinstallation mit Ruderboot und Behörden­wegweiser (Johannes Lenhart, Erweiterte Hoffnung, 2013) bis zu 99 € für kleinstformatige Arbeiten (Michael Kiefer, Teebeutelportraits, 2009-15).

Die Preisträger 2016

Der „Kunstpreis der Künstler“ geht heuer an Benjamin Katz. Geboren 1939 in Antwerpen, macht sich Katz nach Kunststudium in Tournai und Berlin zunächst als Galerist einen Namen. 1976 beginnt seine zweite Karriere, als Fotograf dokumentiert er die deutsche und die internationale Kunstszene. Katz lebt und arbeitet seit Anfang der 1970er Jahre in Köln. Die Große Kunstausstellung NRW hat rund 60 seiner Fotografien vor Ort, Künstlerportraits vornehmlich, einige Landschaften und zwei Seestücke.

Der Förderpreis geht an den Düsseldorfer Maler Andrej Wilhelms (*1984). Wilhelms erkundet in seiner Malerei das Grenzgebiet zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, zwischen dekorativem Surrealismus und irritierendem Konstruktivismus. Der Preis geht in Ordnung.

Und wer ist ansonsten auffällig unter den diesjährig 118 Künstlern der „Großen Kunstausstellung“?

Videokunst

Jungwoon Kim (*1981 in Seoul, lebt in Düsseldorf) lässt in ihrer Videoarbeit Dinner (2012) die Striche einer Esszimmerzeichnung von einem Tornado verwirbeln, Horror­filmgekreisch als Soundtrack dazu. Sehr spannend.

Etwas einfach gestrickt, aber von sehr unmittelbar berührender Wirkung ist die Videoinstallation von Ahmad Rafi (*1961 in Teheran, lebt in Frankfurt): Eine aufgeschlagene, antiquierte Reisetruhe, in deren Inneres ein Video projiziert wird, die Reisetruhe treibt auf dem Meer.

Fotografie

Auffällig in Sachen Fotografie ist sicher die großformatige Aufnahme der Ruine eines aufgelassenen Tanzsaals mit übrig gebliebenem Klavier vom Kölner Becher-Schüler Boris Becker (Tanzsaal, 2014). Die Hagener Fotografin Anja Bohnhof zeigt derweil in ihren Abwesenheitsnotizen (2012/14) leergeräumte Arbeitsstätten der Hochkultur (Atelier Otto Dix, Arbeitszimmer Friedrich Schiller).

Und Natascha Borowsky aus Düsseldorf, auch bei Becher ausgebildet, zeigt zwei ihrer irritierend schönen Fotos aus einem Mangrovenwald bei Mumbai, in dem die Gezeiten den Müll der Meere in die Bäume spült (OT 2511214, OT 2241214, 2012/14).

Objektkunst

Sehr sympathisch ist mir die 301-teilige Serie des Düsseldorfer Künstlers Michael Kiefer, der die Papieretiketten gebrauchter Teesackerl mit kleinen Portrait­zeichnungen berühmter Persönlichkeiten veredelt, Künstler, Wissenschaftler, Politiker. Die Teebeutelportraits (2009-2015) sind für 99 Euro das Stück zu haben, die gesamte Serie ist für kaum rabattierte 29.500 Euro käuflich (aber ich glaube, Einzelstücke sind schon verkauft, ich überlege noch).

Zu den stärksten Arbeiten der Leistungsschau – abgesehen von Günter Weselers atmenden Fellknäuel, für die er 2008 bereits den Künstlerkunstpreis eingesammelt hat – gehört Katharina Veerkamps Installation Raumkrümmung (2015): Ein mächtiger Holzbalken, der mittels sieben, fächerartig aufgestellten Glasscheiben als Hologramm in den Raum gekrümmt wird. Stark.

Malerei

Auffällig in Sachen Malerei sind im Wesentlichen alte Bekannte der Düsseldorfer Kunstausstellung: Frank Hinrichs Erinnerung an den abstrakten Expressionismus, Skriptur VIII, 2014 (es gibt auch eine Kleinausgabe für 400 €), oder Yury Kharchenko, mit einer Arbeit, die nicht ganz so stark ist wie in den Vorjahren, House of the red heart I, 2013 – egal, wenn ich das Geld hätte (5.500 €), würde ich keine Sekunde zögern.

Die Große Kunstausstellung NRW 2016. K: Michael Kortländer. Düsseldorf: Museum Kunstpalast, 21. Februar – 13. März 2016.