Die Brueghel-Familie – Ausstellung in Paderborn

Bauernlandschaften, Winterleben, Stillhochzeiten

Die Städtische Galerie in der Reithalle zu Paderborn zeigt noch bis 21. Juni 2015 über 140 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus den Werkstätten und dem Umfeld der Brueghelschen Malerdynastie.

Pieter Brueghel der Jüngere, Rückkehr von der Kirmes, 1619/1636. Fürstenberg-Stiftung EggeringhausenPieter Brueghel der Jüngere, Rückkehr von der Kirmes, 1619/1636. Fürstenberg-Stiftung Eggeringhausen.

Kleinere und mittlere Formate aus europäischen und amerikanischen Privatsammlungen bilden den Grundstock der Paderborner Schau. Sie sind seit 2012 auf Tournee durch Como, Tel Aviv, Rom, Breslau, Paris und jetzt – die einzige Station in Deutschland – in der hübschen Reithalle des Schloss Neuhaus in Paderborn zu sehen. Es sind keine ganz spektakulären Leihgaben darunter, die großen Werke von Pieter Bruegel dem Älteren sind nicht aus Wien, Berlin oder Madrid angereist. Und so bleibt gerade der bedeutendste Maler des Familienclans vornehmlich nur in Druckgrafiken und Kopien seines Sohnes Pieter Brueghel d. J. greifbar.

Pieter Bruegel der Ältere und Frans Huys, Bewaffneter Dreimaster mit dem Sturz des Ikarus, ca. 1561/62, Kupferstich. Privatsammlung, USA © Joseph Guttmann, New YorkPieter Bruegel der Ältere und Frans Huys, Bewaffneter Dreimaster mit dem Sturz des Ikarus, ca. 1561/62, Kupferstich. Privatsammlung, USA © Joseph Guttmann, New York.

Trotzdem vermittelt die Paderborner Familienaufstellung ein eindrucksvolles und umfassendes Bild von der flämischen Malerdynastie mit ihrer notorisch unübersichtlichen Namensgebung, angefangen bei Pieter Coecke van Aelst (1502-50), dem Lehrer und Schwiegervater von Pieter Bruegel d. Älteren (1525/30-1569) und dessen beiden Söhnen Pieter d. J. (1564-1637/38) und Jan d. Ä. (1568-1625), über die mittleren Generationen mit Jan d. J. (1601-78), Ambrosius (1617-75), Jan Pieter (1628-64) und Abraham Brueghel (1631-90), bis hin zu den Enkeln u. Urenkeln von Jan d. Ä.: Jan van Kessel d. Ä. (1626-79) und d. J. (1654-1708) sowie Ferdinand van Kessel (1648-96). Sechs Generationen, wenn man großzügig zählt.

Jan Brueghel der Jüngere, Flämisches Dorf im Winter mit Schlittschuhläufern, um 1630–1635. Schweiz, Privatsammlung © Joseph Guttmann, New YorkJan Brueghel der Jüngere, Flämisches Dorf im Winter mit Schlittschuhläufern, um 1630–1635. Schweiz, Privatsammlung © Joseph Guttmann, New York.

Die Ausstellung sortiert die Exponate nicht chronologisch, sondern nach Sujets, was im Idealfall einerseits unmittelbare Vergleiche erlaubt zwischen den unterschiedlichen Bildauffassungen über die Generationen hinweg und andererseits Traditionslinien malerischer Gestaltung erkennen lässt.

In fünf Sektionen werden Landschaften und Seestücke gezeigt (mit dabei eine prima Fassung von der Vogelfalle, um 1605 von Pieter dem Jungen), Genreszenen (darunter eine sehr plastisch restaurierte Fassung des Hochzeitstanz im Freien aus der Zeit um 1610 vom gleichen Pieter), religiöse Sujets, Allegorien (u.a. sehr hübsche Allegorien des Geruchs u. des Gehörs von Jan dem Jungen, um 1645/50) und Stilleben (mit mächtigen, barocken Arrangements von Abraham Brueghel, aus der Zeit um 1670). Zu den spannendsten Dingern in Sachen Stilleben gehören die Insektensammlungen von Jan van Kessel dem Alten, Enkel von Jan dem Älteren, der mit allerhand entomologischer Akribie Schmetterlinge, Käfer und anderes Getier auf Mamorplatten malt (um 1660).

Jan Brueghel d. Ä. und Pieter Paul Rubens, Madonna mit Kind in einer Blumengirlande, um 1616/1618. USA, Michael Leifer, © Joseph Guttmann, New YorkJan Brueghel d. Ä. und Pieter Paul Rubens, Madonna mit Kind in einer Blumengirlande, um 1616/1618. USA, Michael Leifer, © Joseph Guttmann, New York.Einige Exponate beleuchten das Umfeld und die Vorbilder der Brueghel Factory, z.B. eine hübsche, aus Genf angereiste Zurschaustellung der Sieben Todsünden von Hieronymus Bosch, um 1500. Als Beispiele für die Kooperation von spezialisierten Malern der Antwerpener Künstlerelite stehen Gemeinschaftswerke, darunter die – allerdings etwas seltsam ungleichgewichtige – Madonna mit Kind in einer Blumengirlande von Jan Brueghel d. Ä. und Pieter Paul Rubens.

Der Katalog kostet in der Museumsausgabe vernünftige 38 Euro, umfasst 288 Seiten, enthält einige Essays, die mehrheitlich okay sind, und taugliche Abbildungen. Die ein oder andere Detailwiedergabe mehr wäre gerade bei figurenreichen Gemälden hilfreich gewesen.

Die Bueghel-Familie. K: Andrea Wandschneider. Paderborn-Schloss Neuhaus, Städtische Galerie in der Reithalle. 21. Februar – 21. Juni 2015.