Walter Hasenclevers Gedichte an den Jüngling

„Die buntgeschwänzte Peitsche der Angst“

Die Rheinische Kulturraumverdichtung beehrt sich, im Vorgriff auf ein etwas längerfristiges anthologisches Projekt in Sachen Literatur und Publizistik aus der Zeit des späten Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs, Walter Hasenclevers sehr hübsches Gedichtbändchen 'Der Jüngling' (1913) zugänglich zu machen.

Manche dieser fünf mal zehn Gedichte, die 1913 im Leipziger Kurt Wolff Verlag erschienen sind, lesen sich heute gewiss etwas präpotent, die Topoi sexueller Verdinglichung abgeschmackt, das Pathos der hedonistischen Weltaneignung und die Verkündigungsgewissheit aufgesetzt. Vieles davon ist zeit- und alterstypisch: Walter Hasenclever war Anfang zwanzig als das Bändchen herausgegeben wurde. Aber mitunter werden in diesen Gedichten auch die Schutzmauern der Prätention durchsichtig und geben den Blick frei auf das, was dahinter steht: „Hinter ihm tanzt die buntgeschwänzte / Peitsche der Angst“.

Gleichviel, die rotzige Anmaßung hat ja auch etwas Symphatisches: „Wir haben alle Philister ans Kreuz gebracht. / Wir werden alle Idioten zu Tode quälen.“ Und weiter:

Schöne Dame! Blumen überm Herzen
Und der blauen Feder an dem Hut:
Seien Sie mir, ich bitte Sie von Herzen,
Jeden Tag um sechs Uhr gut!

Walter Hasenclever wurde am 8. Juli 1890 in Aachen geboren. Sein Studium der Juristei in Oxford, Lausanne und Leipzig vernachlässigt er zugunsten der Literatur. Sein erster Gedichtband erscheint 1910 (Städte, Nächte und Menschen). Sein Stück Der Sohn (1914) gilt als Schlüsselwerk expressionistischer Dramatik. Von Nazideutschland verfolgt und verboten lebt er seit 1933 im Exil, vornehmlich in Frankreich. Im Internierungslager Les Milles nimmt er sich am 21. Juni 1940 das Leben, um nicht den vorrückenden deutschen Truppen in die Hände zu fallen.

Zum Volltext: Walter Hasenclever: Der Jüngling (1913).