Die Theatersaison und Opernspielzeit 2015/2016 in Köln

Die Vorschau

Die Oper und das Schauspiel Köln kehren für die Spielzeit 2015/16 nicht wie geplant zurück nach Hause an den Offenbachplatz. Eine Vorschau auf die Neuplanungen der Bühnen in Köln.

Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0. Quelle:Wikimedia Commons.

Die Sanierung der Spielstätten von Oper und Schauspiel am Offenbachplatz in der Kölner Innenstadt schien lange Zeit deutlich besser zu laufen, als das vor Jahren böse Zungen geunkt haben – meine eingeschlossen. Bis in den Sommer 2015 hinein wurde am geplanten Eröffnungstermin Anfang November 2015 festgehalten, auch wenn zuletzt „Beschleunigungsmaßnahmen“ verabschiedet werden mussten, die eine rechtzeitige Inbetriebnahme zumindest der Hauptspielstätten sicher stellen sollten. Erst am 23. Juli 2015 informierten die Stadt und die Bühnen, dass der Eröffnungstermin platzen wird, vor allem wg. Verzögerungen in der Fertigstellung der Haustechnik. Ein neuer Zieltermin könne noch nicht benannt werden.

Mittlerweile ist deutlich, dass an einen Einzug vor Beginn der Spielzeit 2016/17 nicht mehr zu denken ist. Schlimmer noch, im Sachstandsbericht des Betriebsausschusses Bühnen der Stadt Köln vom 25. August 2015 lese ich:

Aufgrund der Entwicklungen auf der Baustelle am Offenbachplatz unter Berücksichtigung der Insolvenz der Firma Imtech gehen die Bühnen derzeit davon aus, dass ein Interimsspielbetrieb nicht nur für die Spielzeit 2015/16 sondern auch für die Spielzeit 2016/17 erforderlich ist.

Interimslösungen

Für die Oper ist jetzt geplant, das Staatenhaus an der Kölner Messe als Interimsspielstätte anzumieten. Der vorgesehene Umbau zu einem Musical-Theater durch einen privaten Investor soll dafür zunächst zurück gestellt werden. Zwei große Bühnen mit 900 resp. 800 Plätzen sollen kurzfristig eingerichtet werden, später eine kleinere Bühne mit 250 Plätzen für die Kinderoper hinzukommen. Auf diesem Weg sei die bisherige Saisonplanung im Wesentlichen zu halten.

Das Schauspiel plant mit einer weiteren Nutzung der beiden Bühnen im Mülheimer Carlswerk, die schon in den letzten zwei Jahren als Interimsspieltätte genutzt wurden. Da die andere rechtsrheinische Liegenschaft, die Halle Kalk, wegen Einsturzgefahr eines Nachbargebäudes aufgelassen werden muss, bleiben jetzt nur noch diese zwei Bühnen übrig, was im Spielplan ein ziemliches Gedränge geben wird. Immerhin sind dreizehn Neuproduktionen, bemerkenswerte sieben Uraufführungen darunter, eine Übernahme und fünfzehn Wiederaufnahmen geplant. Das Schauspiel erwägt deshalb derzeit noch die Beantragung einer befristeten Betriebsgenehmigung für die Kalker Halle.

Schauspiel Köln

Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0. Quelle:Wikimedia Commons.

Ende August hat das Schauspiel Köln die Neuplanung der Session 2015/2016 vorgestellt. Die Eröffnungspremiere übernimmt der Chef selbst. Stefan Bachmann – in seiner dritten Saison als Intendant in Köln – greift auf Ödön von Horváths Demontage kleinbürgerlicher Gemütlichkeit zurück: Geschichten aus dem Wiener Wald (Depot 1, P: 31. Oktober 2015). Das Volksstück hatte sich Bachmann schon 2010 für die Wiener Burg vorgenommen, konnte damals die Inszenierung aber krankheitsbedingt nicht zu Ende bringen. Das eigentlich für die Wiedereröffnung des Schauspielhauses Anfang November geplante, „theatral-performative“ Monumentalstück Exodus. Die Bibel, Teil 2 entfällt zunächst.

Eine Woche später steht die erste der sieben Uraufführungen auf der Agenda. Der in Wien lebende, in Aleppo geborene Dramatiker Ibrahim Amir kümmert sich in seiner Komödie Stirb, bevor du stirbst um jugendlichen Dschihadismus im Westen und die Reaktion darauf (Depot 2, UA: 7. November 2015). Amirs erstes Stück, die Ehrenmordkomödie Habe die Ehre, hatte vorletzte Session seine deutsche Erstaufführung am Kölner Schauspiel und wird auch heuer wieder in den Spielplan aufgenommen. Fünf Tage später folgt die deutsche Erstaufführung von 3.31.93, dem jüngsten Stück des schwedischen Dramatikers Lars Norén, uraufgeführt 2013 im Stockholm Stadsteatern, ein Gesellschaftpanorama aus 25 Einzelschicksalen (Depot 1, DE: 12. November 2015).

Zum Start einer dauerhaften Kooperation zwischen dem Kölner Schauspiel und der Theaterkombo subbotnik bringt das deutsch-russisch-ukrainische Trio einen Musiktheaterabend auf die Bühne: Geh hin, ich weiß nicht wohin – bring das, ich weiß nicht was (Depot 2, UA: 20. November 2015). Mehr Musiktheater folgt im Dezember, wenn das Musical des österreichischen Autors und Regisseurs David Schalko mit Musik von Kyrre Kvam, Kimberly, über die Bühne geht (Depot 1, UA: 11. Dezember 2015).

Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0. Quelle:Wikimedia Commons.

In 2016 folgen die restlichen vier Uraufführungen. Jens Albinus’ wird seine Familienaufstellung Umbettung ebenso selbst einrichten (Depot 2, UA: 23. Januar 2016) wie Nuran David Calis seine „Religionssuche zwischen Dom, Moschee und Synagoge“: Glaubenskämpfer (Depot 1, UA: 27. Feburar 2016). Angela Richter plant derweil ein neues Recherchestück zu Mythos und Gegenwart der Seidenstraße (Depot 2, UA: 29. April 2016), und etwas selbstreferentiell geht es im Mai weiter mit dem ersten Stück des jungen Berliner Autors und Filmemachers Julian Pörksen: Wir wollen Plankton sein. Carl Hegemann wird die Uraufführung der Schauspiel­selbstfindungs­komödie einrichten (Depot 2, UA: Mai 2016).

Aus Sachsen kommt zudem die von Stefan Bachmann eingerichtete Familiensaga über die Lehman Brothers von Stefano Massini herüber, eine Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden (Depot 1, Ü: 18. März 2016).

An Klassikern stehen auf der Agenda, neben Horváth: Zunächst William Shakespeares Tragikomödie aus dem Umfeld des trojanischen Krieges, Troilus und Cressida (Depot 1, P: 29. Januar 2016). Im Frühjahr inszeniert Moritz Sostmann dann in seinem Amalgam von Puppenspiel und Schauspielkunst Roger Vitracs absurde Familienzerlegung Victor oder Die Kinder an der Macht von 1928 (Depot 2, P: 1. April 2016). Edmond Rostands romantische Komödie Cyrano de Bergerac folgt zwei Wochen später (Depot 1, P: 15. April 2016). Und Roger Vontobel kommt aus Bochum vorbei und inszeniert gegen Ende der Saison Henrik Ibsens Volksfeind (Depot 1, P: 20. Mai 2016).

Oper Köln

Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0. Quelle:Wikimedia Commons.

Die Neuplanung für die Oper Köln liegt noch nicht vor (Stand: 31. August 2015).

Zur Eröffnung der sanierten Spielstätte der Kölner Oper am Offenbachplatz soll im November die Kölnische Erstaufführung von Hector Berlioz’ Opéra comique Benvenuto Cellini gegeben werden. Das Dirigat übernimmt der neue Generalmusikdirektor der Stadt, François-Xavier Roth, die Inszenierung Carlus Padrissa von der katalanischen Theater- und Eventtruppe „La Fura dels Baus“ (Opernhaus, P: 7. November 2015).

La Fura dels Baus ist auch für die erste Premiere der Saison verantwortlich, Das Lied der Frauen vom Fluss (Schiff Naumon, DE: 20. September 2015), ursprünglich bereits für die vorherige Spielzeit geplant, jetzt verschoben auf die Saison 2015/16. Ich würde das auf die Merkliste nehmen, aber sämtliche Aufführungen sind bereits im Frühjahr 2015 ausverkauft.

An Klassikern stehen auf dem Plan: Puccinis La bohème (Opernhaus, P: 22. November 2015), Offenbachs Hoffmanns Erzählungen (P: 12. Dezember 2015), Mozarts Don Giovanni (P: 5. März 2016) und Donizettis Lucia di Lammermoor (P: 5. Juni 2015).

Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0Impressionen aus Schauspielhaus und Opernhaus Köln vor der Sanierung. Architekt: Wilhelm Riphahn. Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA-3.0. Quelle:Wikimedia Commons.

Auf die Merkliste nehme ich aber die „Oper nach den Prozessakten“ Scenen aus dem Leben der heiligen Johanna von Walter Braunfels, dem Direktor der Kölner Musikhochschule von 1925 bis 1933 und wieder von 1947 bis 1950 (P: 14. Februar 2016) – es wäre kein Fehler gewesen, das zur Neueröffnung des Opernhauses zu bringen, aber vermutlich nicht hinreichend glamourös.

Im Frühjahr dann steht Wolfgang Rihms Oper nach einem Stück von Antonin Artaud auf der Agenda: Die Eroberung von Mexiko (P: 8. Mai 2016), eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen (dort schon im Juli/August 2015 zu sehen).

Merkliste Köln

Die Angaben zu Stücken, Terminen und Spielorten sind der langfristigen Planung der Häuser entnommen. Bevor Sie einen Theater- oder Opernbesuch planen, vergewissern Sie sich bitte, dass es keine Änderungen am Spielplan gibt.

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