Die Theatersaison 2014 / 2015 in Köln

Die Merkliste (1)

Das Schauspiel Köln geht mit Stefan Bachmann in die zweite Spielzeit, macht vornehmlich in Epik und lässt mit Chilly Gonzales die Schatten tanzen, die Oper Köln bestellt den Großinquisitor in den Weltraum, das Theater der Keller erzählt vierzig kölsche Geschichten. Eine Vorschau auf die neue Session.

Schauspiel Köln - Ausweichspielstätte „Depot“ im Carlswerk. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Schauspiel Köln – Ausweichspielstätte „Depot“ im Carlswerk. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons).

Den Zahlen nach hat alles gepasst in der ersten Spielzeit mit dem neuen Team am Schauspiel Köln. Intendant Stefan Bachmann kann einen Zuschauerzuwachs von 30% vermelden, knapp 20% mehr Abonnenten, gestiegene Einnahmen. Das neue Ensemble hat sich Respekt erspielt, die Integration der Interimsspielstätte in die Schäl Sick ist gelungen. Ob diese positive Bilanz uneingeschränkt auch für die künstlerische Qualität gilt, darüber kann man streiten. Aus Düsseldorf höre ich, in Köln jammere man in Sachen Theater auf sehr hohem Niveau. Gewiss, das ist auch eine Frage der Fallhöhe.

Der Blick nach vorne: Für die neue Session sind nicht weniger als siebzehn Neu­produktionen geplant, darunter auffällig viele Bühnenfassungen von Romanen und Versepen: Joseph Roths Hiob, Wolframs Parzival, Maxim Billers Im Kopf von Bruno Schulz, Dantes Göttliche Komödie, Hamsuns Segen der Erde. Den Auftakt macht aber ein Stück nach Filmvorlage: Dogville nach Lars von Trier (P: 5. September 2014). Dann übernehmen Chilly Gonzales und der kanadische Regisseur Adam Traynor die Bühne mit einer musikalischen Dramatisierung von Hans Christian Andersens Erzählung Der Schatten für Kammerorchester, Puppen- und Schau­spieler. Die Rheinische Erstaufführung der Koproduktion mit dem Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel ist für den 11. September 2014 vorgesehen.

Der Chef selbst greift im Oktober ins Geschehen ein und inszeniert zunächst Kleists Käthchen von Heilbronn (P: 17. Oktober 2014). Im Winter folgt dann seine Dramatisierung des mittelhochdeutschen Versromans Parzival von Wolfram von Eschenbach (P: 6. Februar 2015). Der Gralssucheschinken umfasst knapp 25.000 Verse, hat also das rechte, handliche Format für den Monumentaltheatraliker Bachmann. Gut 100 Jahre jünger und rund 10.000 Verse schlanker ist Dante Alighieris Göttliche Komödie; Sebastian Baumgarten ist für die Inszenierung im Frühjahr zu Gast (P: 11. April 2015).

Auswärtige Regieprominenz kümmert sich zudem um zwei Klassiker der Bühnen­literatur: Karin Neuhäuser kommt aus Hamburg vorbei und richtet Ibsens Hedda Gabler ein (P: 7. November 2014) und der Faustpreis-Gewinner 2010, Roger Vontobel, kommt im Frühjahr hinzu, um Shakespeares Wie es euch gefällt auf die Bühne zu bringen (P: 8. Mai 2015).

Auf die Merkliste nehme ich außerdem die Uraufführung eines neuen Stücks von Sibylle Berg: Backlash (UA: 18. Oktober 2014).

Theater der Keller

Waisen von Dennis Kelly. Theater der Keller. Rechte: © Meyer OriginalsWaisen von Dennis Kelly. Theater der Keller. Rechte: © Meyer OriginalsAuch die Intendanz von Heinz Simon Keller am Theater der Keller geht 2014/15 in die zweite Spielzeit. In der ersten Session hat Sandra Reitmayers Inszenierung von Dennis Kellys Waisen gleich den Kölner Theaterpreis abgeräumt. Das Stück ist natürlich für die Wiederaufnahme vor­gesehn. Geplant sind zudem sechs Neu­produktionen. Am 4. September 2014 steht die Uraufführung an von Vierzig Leben – Kölner Geschichten nach Prosaminiaturen der Lichtgestalt des Kölner Literaturwesens: Navid Kermani. Anfang Oktober 2014 folgt Ulrike Janssens szenische Installation Displaced Persons – Einübung in die Heimatlosigkeit (P: 9. Oktober 2014).

Auf die Merkliste kommen zudem Azar Mortazavis, 2013 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiertes Stück Ich wünsch mir eins (P: November 2014) und Philipp Löhles Mittelstandsfarce Wir sind keine Barbaren! (P: März 2015).

Oper Köln

An der Oper in Köln steht als erste Premiere der neuen Session das sehr selten gebrachte, barocke Schäferstück Leucippo von Johann Adolf Hasse auf dem Plan. Die Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen geht in Köln ab 2. Oktober 2014 über die Bühne des Palladiums. Einen Monat später folgt die Rheinische Erstaufführung von Detlev Glanerts Weltraumoper Solaris, uraufgeführt 2012 bei den Bregenzer Festspielen (DE: 2. November 2014 in der Oper am Dom).

Im Frühjahr gibts dann einen Doppelabend mit Großinquisitor und Il prigioniero, einem Einakter des italienischen Modernisten Luigi Dallapiccola aus den späten vierziger Jahren, sowie Bernd Alois Zimmermanns letzter Komposition vor dem Freitod, die Ekklesiastische Aktion von 1970 (P: 27. März 2015). Ich bin derweil nicht ganz sicher, ob die Interaktivmultimediagroßspektakel von La Fura dels Baus wirklich etwas taugen, nehme aber vorsichtshalber ihr Lied der Frauen vom Fluss, das – so heißt es geheimnisvoll – am „Ufer des Rheins“ spielen soll, mit auf die Agenda (P: 16. Mai 2015).

Merkliste Köln 2014/15

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