Die Theatersaison 2013/2014 in Düsseldorf, Wuppertal, Krefeld und Neuss

Eine Merkliste (3)

In Düsseldorf pflegt man den schlechten Stil, in Wuppertal ist das Schauspielhaus jetzt aufgelassen, in Krefeld und Mönchengladbach gibt es bemerkenswertes Theater und das Rheinische Landestheater will nur spielen. Der dritte Teil einer Merkliste für die Bühnensession 2013/2014 in der Rheinprovinz.

Schauspielhaus Düsseldorf. Foto: jvf

Düsseldorf, die Stadt mit dem – neben Köln – größten Ego der Rheinprovinz, unterhält eine Oper, in der ein Stück direkt nach der Premiere abgesetzt wird, wenn mehr als drei Besucher die Inszenierung scheiße finden. Die Stadt lässt eine hochkarätig besetzte Findungskommission für den Nachfolger des bisherigen Intendanten Holm platzen – mittels Indiskretion. Die Stadt lässt seit Jahren Theater weit über ihrem Niveau machen und die Ränge bleiben leer, weil — da weiß ich jetzt auch nicht mehr weiter. Oder doch, der alte Aphorismus von Lichtenberg: „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammen­stoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“

Schauspielhaus Düsseldorf

Manfred Weber also, zunächst als kommissarischer Intendant des Schauspiels unterwegs, hat jetzt die Zusage, dass sein Engagement für zwei weitere Spielzeiten gelten soll. Und in der WZ ist jüngst ein Interview mit ihm zu lesen, da sagt er:

Zunächst einmal ist das Programm der kommenden Spielzeit geprägt vom Krisenmanagement. Ich habe daran zwar mitgewirkt, vieles ist jedoch noch unter Staffan Holm geplant worden. Ich freue mich vor allem auf die übernächste Spielzeit. Das ist für mich eine Gelegenheit, den Spielplan mehr nach meinen Vorstellungen zu prägen.

Das ist nicht nur ein Lehrstück in Sachen schlechter Stil, sondern lässt auch das Schlimmste befürchten für eben diese übernächste Session. Egal, das Programm der Spielzeit 2013/14 ist also noch geprägt von Holm und man darf also vorerst noch auf spannendes Theater in Düsseldorf rechnen.

Eröffnet wird die Session im Kleinen Haus: Nurkan Erpulat inszeniert Louis-Benoît Picards Karrieristenkomödie Der Parasit in der Bearbeitung von Schiller (Kleines Haus, P: 13. September 2013). Eine Woche später ist Altintendant Holm zurück am Rhein und richtet die Uraufführung einer Komödie des schwedischen Dramatikers Lucas Svensson aus, eine Polit-Farce um Churchill, Roosevelt und Stalin in Jalta (Großes Haus, UA: 21. September 2013).

Der Oktober ist in Düsseldorf ganz dem Jelinekschen Sekundärdrama gewidmet: Ibsens Nora wird um Jelineks Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte und einen neuen Epilog der Nobelpreisträgerin, Nach Nora, ergänzt (Großes Haus, P/UA: 12. Oktober 2013), und vom Schauspielhaus Zürich wird die Urinszenierung von FaustIn and out übernommen (Großes Haus, Ü: 26. Oktober 2013), beides in der Regie von Dušan David Pařízek.

Für Anfang 2014 ist die Uraufführung einer neuen, epiphanischen Komödie des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew geplant, Betrunkene (Großes Haus, UA: 22. Februar 2014), im März macht sich Guillermo Calderón Gedanken über den politischen Mord, Schuss Ein neues Stück (Kleines Haus, UA: 14. März 2014). Die ursprünglich von Calderón geplante künstlerische Auseinandersetzung mit politisch-motivierten Mordtaten muss entfallen, nachdem – so berichtet zumindest rp-online – die Witwe Detlev Karsten Rohwedders beim Intendanten interveniert hat. Jetzt fällt mir aber wirklich nichts mehr ein zum Düsseldorfer Verständnis von Kunstfreiheit.

Möglicherweise ist im Frühjahr wieder Stéphane Braunschweig, Chef des Théâtre National de la Colline in Paris, vor Ort und richtet Samuel Becketts Glückliche Tage ein (Großes Haus, P: 12. April 2014) – es sei denn, jemand interveniert rechtzeitig. Danach inszeniert Nora Schlocker die Orestie von Aischylos in einer Bearbeitung von Tine Rahel Völcker (Großes Haus, P: 26. April 2014).

Deutsche Oper am Rhein

Die Vereinigten Musiktheaterbühnen von Düsseldorf und Duisburg setzen in der Session 2013/14 ganz auf Grundversorgung und Klassikerpflege (Verdi, Verdi, Kálmán, Mozart, Wagner, Mozart usw.). Bemerkenswert allerdings, dass man mit der Neueinspielung vom Tod in Venedig (Opernhaus Düsseldorf, P: 14. Juni 2014) und drei Wiederaufnahmen (Peter Grimes, Billy Budd, The Turn of the Screw) als Kunde der Deutschen Oper am Rhein eine halbe Retrospektive auf das Opernwerk von Benjamin Britten halten kann.

Auf die Merkliste nehme ich allerdings einen anderen Abend, eine Uraufführung: Der Troll ist die erste Oper von Hauke Berheide (*1980) – Libretto von Jan Kuhlbrodt – und sie erzählt von einem Fotografen und seinem Troll, mal schauen (Theater Duisburg, UA: 20. Juni 2014).

Ballett am Rhein

Die beiden Häuser in Düsseldorf und Duisburg legen zur Zeit ohnehin mehr Ehre ein als Spielstätten für die, von Ballettdirektor Martin Schläpfer verantwortete Tanzsparte. Vier Neuproduktionen stehen auf der Agenda für die kommende Spielzeit.

Im Herbst choreografiert Martin Schläpfer Mahlers 7. Sinfonie (b.17) (Opernhaus Düsseldorf, UA: 26. Oktober 2013), im Winter kombiniert ein Abend (b.18) Arbeiten von George Balanchine und Martin Schläpfer: Episodes, Sinfonien mit der Uraufführung einer Choreografie von Nils Christe (Theater Duisburg, P/UA: 17. Januar 2014). Im Frühjahr ist ein neues Ballett von Antoine Jully, Hidden Features, an einem Abend, b.19, zusammen mit Werken von Merce Cunningham und Hans van Manen zu sehen: Scenario, Große Fuge (Opernhaus Düsseldorf, UA/P: 28. März 2014). Schließlich macht der Chef selbst die Choreografie für Deep Field (b.20) zu einer Auftragskomposition von Adriana Hölszky (Opernhaus Düsseldorf, UA: 23. Mai 2014).

Wuppertaler Bühnen

Schauspielhaus Wuppertal. Foto: Andreas Praefcke. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wuppertal_Schauspielhaus_2005b.jpg. Lizenz: CC-BY-3.0Schauspielhaus Wuppertal. Foto: Andreas Praefcke. Quelle: Wikicommons. Lizenz: CC-BY-3.0

Nebenan im Bergischen musste in den Favelas an der Wupper jetzt das Schauspiel­haus aufgelassen werden. 1966, in besseren Zeiten, als das Haus an der Bundesallee eröffnet wurde, sprach Heinrich Böll noch in einer hübschen Rede über die „Freiheit der Kunst“ — heute, da die Freiheit des Kapitals zur obersten Direktive gesellschaftlichen Handelns aufgestiegen ist, fehlt der öffentlichen Hand das Geld für die notwendige Sanierung des als Baudenkmal klassifizierten Gebäudes.

Das Ensemble des Schauspiels, auf die Hälfte zusammengestrichen – noch sieben Mitglieder sind für die kommende Session vorgesehen – muss erstmal das Opernhaus und andere Ausweichquartiere nutzen. Für Herbst 2014 ist dann der Bezug einer neuen, sehr kleinen Spielstätte im Magazingebäude auf dem Gelände des Historischen Zentrums Wuppertals geplant. Sie wird spendenfinanziert eingerichtet, das Ensemble soll dann wieder eine Sollstärke von 10 Schauspielern umfassen.

Auf die Merkliste nehme ich bis dahin einen Schauspielabend: Für Januar 2014 ist ein Stück der jungen Wahlwuppertalerin Anne Lepper (*1978) geplant, der Nachwuchsdramatikerin des Jahres 2012, so das Kritikervotum von „theater heute“. Das Stück heißt oh das ist morrissey, ist mit Geldern des Berliner Stückemarkts geschrieben worden und es geht, so höre ich, um den Krieg, 1914 und heute (Die Börse, P: Januar 2014).

Ebenfalls ab Anfang 2014 ist Adolphe Adams selten gespielte opéra comique Le Toreador in Wuppertal zu sehen: Der Torero oder Liebe im Akkord (Knipex-Werke, Alte Schmiede, P: 19. Januar 2014). Eine Rarität ist bereits im November zu hören, Ottorino Respighis hagiographischer Bekehrungsschinken Maria egiziaca, uraufgeführt 1932: Die ägyptische Maria (Immanuelskirche, P: 2. November 2013).

Die Theater Krefeld und Mönchengladbach

Theater Krefeld. Foto: Hans Peter Schaefer. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Krefeld_theater.jpg. Lizenz: CC-BY-SA-3.0Theater Krefeld. Foto: Hans Peter Schaefer. Quelle: Wikicommons. Lizenz: CC-BY-SA-3.0.

Weithin unterschätzt ist das Theater, das unterdessen auf der richtigen Rheinseite, in Mönchengladbach und Krefeld, geleistet wird. Auf die Agenda gehört eine eher selten gegebene Oper von Verdi, Stiffelio (Theater Mönchengladbach, P: 28. September 2013).

In Sachen Sprechtheater gilt es vorzumerken, dass Matthias Gert Wajdi Mouawads libanesisches Bürgerkriegsdrama Verbrennungen auf die Bühne bringt (Theater Krefeld, P: 20. September 2013) und Sophia Stepf ein Stück über indisch-deutsche Kulturdistanzen vorbereitet: Clash. Culture. Niederrhein (Studio im Theater Mönchengladbach, UA: 4. April 2014).

In Sachen Tanztheater wird Ballettdirektor Robert North in Lachen und Weinen Musik von Chopin und Schubert vertanzen lassen (Theater Krefeld, UA: 12. April 2014). Zwei Monate später gibt es eine Neufassung von Norths Choreografie von 1990 zu Orffs Carmina Burana (Theater Mönchengladbach, P: 13. Juni 2014).

Rheinisches Landestheater Neuss

Das Rheinische Landestheater in Neuss stellt seine Spielzeit unter das schlicht-appellative Motto „spielen!“ und eröffnet die Session mit einem Nibelungen-Marathon: Friedrich Hebbels Siegfried-und-Kriemhild-Schinken Die Nibelungen umfasst beinahe 5500 Verse oder rund 200 Druckseiten, mal schauen (Schauspielhaus, P: 21. September 2013).

Als Nachspiel zu Jelineks FaustIn and out am Düsseldorfer Schauspielhaus kann man Ewald Palmetshofers faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete von 2009 nehmen (Schauspielhaus, P: 25. April 2014).

Merkliste Düsseldorf, Wuppertal, Krefeld, M’Gladbach und Neuss

Die angegebenen Termine sind den langfristigen Saisonplanungen der angeführten Theater entnommen. Bevor Sie auf Basis dieser Termine Ihren Besuch planen, vergewissern Sie sich bitte, dass es keine Termin- oder Planänderungen der Theater gibt.

Links

Spielzeithefte 2013/2014