Römermuseum in Xanten eröffnet

Mediterrane Warmduscher

Der Landschaftsverband Rheinland hat das Ende der Sommerpause genutzt und Mitte August das neue Römermuseum in Xanten eröffnet. Anhand von rund 2.500 antiken Objekten aus dem Xantener Raum wird die Zeit veranschaulicht, in der die Rheinprovinz unter römischer Besatzung stand.

Römermuseum Xanten. Foto: jvf.Und das ist gut gemacht. Das Museum schließt unmittelbar an den Schutzbau, der 1999 über den Bodenresten der römischen Thermen errichtetet wurde, und setzt dessen architektonisches Konzept fort. Nicht eine Rekonstruktion der antiken Bäderarchitektur, sondern die Andeutung der alten Raumstruktur durch einen lichten, modernen Glas-Stahl-Komplex. So ist denn auch der neue Museumsbau an Form und Volumen der Eingangshalle der römischen Thermen orientiert: eine 22m breite, 77m lange, 24m hohe Basilika, nach außen transparent, nach innen großzügig.

Als Kompromiss zwischen einerseits der Notwendigkeit, genug Ausstellungsfläche bereitzustellen, immerhin 2.000qm sind das, und andererseits dem Bemühen, die Raumwirkung der Halle nicht durch geschlossene Etagen zu verbauen, erstreckt sich der Museumparcours über ein System von Rampen und frei gehängten Ebenen, die stets den Blick in die Basilika eröffnen. Das wirkt – zumal im Verein mit Hochglanz-Glasvitrinen und bunten Leuchtschriften – zwar ein bisschen wie ein modernes Kaufhaus. Das schadet aber nicht wirklich, immerhin war das römische Bad ja auch nicht in erster Linie Ort nüchterner Körperpflege, sondern durchaus ein Ort des Luxus, ein Spaßbad, Freizeitanlage und Beautyfarm zugleich – und das würde man heute vermutlich ähnlich ausbauen.

Weinfässer Römermuseum Xanten. Foto: jvf.Es sind nicht die ganz spektakulären Exponate, die das Museum zur Schau stellt: kein Dionysos-Mosaik, kein monumentales Grabmal des Lucius Poblicius wie im Römisch-Germanischen Museum in Köln. Und mancher Fund, der im Rheinischen Landesmuseum in Bonn oder im gallo-römischen Museum in Lyon verwahrt wird, ist hier nur in Kopie zu sehen. Am eindrucksvollsten sind vielleicht die Überreste eines hölzernen Plattbodenschiffes aus dem ersten Jahrhundert oder auch zwei römische Weinfässer (aber das mag jetzt persönlicher Vorliebe geschuldet sein).

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auch nicht auf den großen, bedeutenden Einzelobjekten, sondern auf der Erschließung der Alltagsgeschichte der Colonia Ulpia Traiana. Das war die Kolonie auf Xantener Boden, die Ende des ersten Jahrhunderts durch den römischen Kaiser Traian die Stadtrechte erhielt. Das Leben der etwa 10.000 Einwohner, ihr Handel und Handwerk, ihre Kleidung und Wohnung, das, was aus Inschriften, vornehmlich von Weihealtaren, an Einzelschicksalen erschließbar ist, macht das Römermuseum gemeinverständlich zugänglich. Die Exponate werden unter aufwändigem Einsatz von Audio- und Videoinstallationen, von Infografiken und Modellen in ihre historischen Zusammenhänge gestellt. Die Liebhaber der Militärgeschichte – und von Asterix und Obelix – seien aber versichert, dass natürlich auch die Geschichte der römischen Legion nicht zu kurz kommt.

Geruchs- und Mitmachstationen, ein Stempelspiel und die Legionärsaustattung zum Ausprobieren sorgen zudem dafür, dass das Römermuseum ausgesprochen familientauglich ist. Ein kleiner Katalog ist für kleines Geld erhältlich. Ein Booklet für Kinder gibt es ebenfalls an der Kasse.

Römermuseum im Archäologischen Park Xanten. Ständige Ausstellung. Landschaftsverband Rheinland.