Marlene Dumas – Ausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam

Von der Last der Bilder und Körper

Das Amsterdamer Stedelijk Museum zeigt bis 4. Januar 2015 sehr hübsche Bilder von Marlene Dumas. Die Ausstellung unter dem Titel „The Image as Burden“ ist die erste umfassende Retrospektive in Europa auf das bisherige Werk der niederländischen Menschenmalerin.

Marlene Dumas: The Image as Burden Ausstellungsansicht

Anhand von rund 200 Zeichnungen, Collagen und Malereien dokumentiert die Ausstellung die Karriere der 1953 in einem Vorort von Kapstadt geborenen Künstlerin. Marlene Dumas, die seit 1976 in den Niederlanden lebt, gilt als die wichtigste holländische Malerin der Gegenwart. Gesichter, Körper, Haltungen, Gesten, das ist das Material von Dumas Menschenerkundungen. Die Ausstellung ist 2015 auch in London (Tate Modern) und Basel (Fondation Beyeler) zu sehen, allerdings in anderer Beschickung und weniger umfassend. Ich empfehle daher strengstens die Amsterdamer Schau.

Marlene Dumas, Het Kwaad is Banaal, 1984, Öl auf Leinwand, 125,5 x 105,5 cm, Collectie Van Abbemuseum, Eindhoven. Rechte: Marlene Dumas, Photo: Peter CoxMarlene Dumas, Het Kwaad is Banaal, 1984, Öl auf Leinwand, 125,5 x 105,5 cm, Collectie Van Abbemuseum, Eindhoven. Rechte: Marlene Dumas, Photo: Peter Cox.Mit dabei sind frühe Arbeiten aus den späten 1970er Jahren, Collagen und Zeichnungen, mit denen Dumas 1982 auf der Documenta 7 in Kassel vertreten war, als damals jüngste Teilnehmerin und erste Südafrikanerin überhaupt. Oder da sind die überlebensgroßen, die Leinwand fast sprengenden, seltsam verzerrten und verlaufenen Portraits aus der Serie The Eyes of The Night Creatures, die Mitte der 1980er Jahre entstanden und von ganz ungeheurer und unheimlicher Intensität sind.

Die Vorlage dieser Portraits und der meisten anderen Werke Dumas sind Photographien aus Zeitungen und Illustrierten, die sie in einem umfangreichen Archiv sammelt (in einem Film zur Ausstellung zeigt Dumas ihre Aktenordner). Das gilt auch für die sehr berührenden Leichenportraits aus den frühen 2000er Jahren, wovon in Amsterdam u.a. Stern, dem die Aufnahme der toten Ulrike Meinhof zu Grunde liegt (die gleiche Aufnahme, die Gerhard Richter für seinen 18. Oktober 1977 verwendet hat) oder Alfa, nach dem Zeitungsphoto einer Frau, die während der Geiselnahme im Moskauer Dubrovka Theaters 2002 ums Leben kam (Alfa ist der Name der Russischen Spezialkräfte, die das Theater gestürmt haben).

Marlene Dumas: The Image as Burden Ausstellungsansicht. Photo: Gert-Jan van RooijMarlene Dumas: The Image as Burden Ausstellungsansicht. Photo: Gert-Jan van Rooij

Dumas’ Erkundungen der Möglichkeiten des menschlichen Körpers führen von den irritierend monumentalen Darstellung seltsam erwachsener Babies in der vierteiligen Serie First People (1990) über Studien in Sachen Körperrepräsentation in der Pornographie (um 2000) bis hin etwa zu neueren Arbeiten über die Schönheit der Kleinfamilie.

Marlene Dumas, Nuclear Family, 2013, Öl auf Leinwand, 200 x 180 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel. Rechte: Marlene Dumas, Photo: Peter CoxMarlene Dumas, Nuclear Family, 2013, Öl auf Leinwand, 200 x 180 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel. Rechte: Marlene Dumas, Photo: Peter Cox.

Der Katalog zur Ausstellung kostet in der Museumsausgabe sehr preis- und lohnenswerte 25 Euro und ist eigentlich kein Katalog, sondern eine chronologisch sortierte, illustrierte (Auto-)Biographie. Das Ding verkauft sich so gut, dass die niederländische Ausgabe zwischenzeitlich vergriffen ist und neu aufgelegt werden muss, die englische Fassung ist dagegen bislang unterbrechungsfrei erhältlich.

Marlene Dumas. The Image as Burden. K: Leontine Coelewij. Amsterdam, Stedelijk Museum. 6. September 2014 – 4. Januar 2015 (London, Tate Modern, 3. Februar – 10. Mai 2015; Basel, Fondation Beyeler, 30. Mai – 13. September 2015).