Judith Schalansky, Atlas der abgelegenen Inseln

Vademekum der Nesophilie

Das ist mal ein in jeder Hinsicht sehr hübsches Buch. Judith Schalanskys Schmuckstückchen erschließt nicht nur die Topographie von fünfzig abgelegenen Inseln, sondern entfaltet in ebensovielen Prosaminiaturen auch sowas wie eine kleine Enzyklopädie der menschlichen Möglichkeiten.

Cover Schalansky, Atlas; Rechte: mareverrlag.Sie heißen Insel der Täuschung (Deception Island) oder Inseln der Enttäuschung (Napuka), Inseln der Gefahr (Pukapuka), die Unbezähmbare (Brava) oder einfach: Einsamkeit (Ensomheden). Sie liegen irgendwo ganz oben im Arktischen Ozean oder mittendrin in der Weite des Pazifik. Manche sind sind 0,8 km² klein, andere 297 km² groß, die einen sind die Hölle, die anderen kleine Paradiese, die meisten beides, natürlich, je nachdem.

Fünfzig dieser Inseln, „auf denen ich nie war und niemals sein werde“, so der Untertitel, hat die Berliner Autorin und Typographin Schalansky je eine Doppelseite gewidmet: rechts maßstabsgleiche, grauschraffierte topographische Karten auf meerblauem Grund (Besiedlungsspuren sind leuchtend orange verzeichnet), links Namens- und Lageinformationen, eine Zeitleiste und eben jene Prosaminiaturen, die jeweils eine Geschichte von jeder dieser Inseln erzählen.

Von der Ankunft und der Abreise wird da erzählt, von dem, was man vorfindet und dem, was man hinterlässt, dem Raum der Möglichkeiten, der dazwischen liegt – und natürlich von der Sehnsucht, von Krieg und Zerstörung, Verbannung und Isolation, Entdeckungen und Enttäuschungen, kurz: von Allem.

Das Buch wurde mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. FULL ACK.

Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Hamburg: mareverlag, 2009.