Die Goldenen Löwen – Biennale Venedig 2019

Auszeichnung für Jimmie Durham

Der Goldene Löwe fürs Lebenswerk der 58. Kunstbiennale Venedig geht an den US-amerikanischen Künstler, Autor und Aktivisten Jimmie Durham (*1940). Das entsprechende Steh­rumchen wird zur Eröffnung der internationalen Kunst­schau am 11. Mai 2019 ausgeteilt.

Jimmie Durham, Eurasian Lynx, 2017. 136x61x70 cm. Luchsschädel, Baumwolle, Leder, Murano Glas, Metall, Draht, Plastik. Courtesy of the artist, Foto: Nick Ash
Jimmie Durham, Eurasian Lynx, 2017. 136x61x70 cm. Luchsschädel, Baumwolle, Leder, Murano Glas, Metall, Draht, Plastik. Courtesy of the artist, Foto: Nick Ash.

Die Auszeichnung gelte seiner Kunst, die „zugleich kritisch, humorvoll und hochgradig humanistisch“ sei. So begründet der Kurator der Kunstbiennale Venedig 2019, Ralph Rugoff, die Vergabe an Durham. Und weiter:

Seit mehr als 50 Jahren findet Durham neue, geistreiche und überzeugende Wege, um jene politischen und sozialen Kräfte zu adressieren, die unsere Welt prägen. Seine künstlerischen Beiträge sind gleichermaßen herausragend in ihrer formalen und konzeptionellen Originalität, in ihrer lebendigen Mischung aus wider­sprüchlichen Elementen und alternativen Perspektiven sowie in ihrer ungebändigten Verspielt­heit.

Jimmie Durham, geboren 1940 in den USA, lebt und arbeitet seit 1994 in Europa, vornehmlich in Berlin. Sein Werk umfasst Skulpturen, Installationen, Zeichnungen, Videos, Performances, fotografische Arbeiten, Essays und Lyrik. Zu den bevorzugten Materialien seiner bildenden Kunst gehören Stein, Holz und Tierknochen, dazu kommen Reste des Wohlstands, Müll aus Metall, Plastik, Glas.

Zudem engagierte er sich seit den 1960er Jahren in der amerikanischen Bürgerrechts­bewegung. In den 1970er Jahren war er als Aktivist und Funktionär für NGOs der indigenen Völker Amerikas tätig. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit Konzepten und Miss­konzeptionen der Nation und Identität.

Arbeiten von Durham waren immer wieder auf der Documenta und bei der Kunst­biennale in Venedig zu Gast. Dort zuletzt 2013, als er in der Zentral­ausstellung mit einer Skulptur unter dem hübschen Titel Jesus – Es geht um die Wurst vertreten war. 2016 hat er mit dem Goslarer Kaisering den vielleicht renommiertesten deutschen Kunstpreis eingesammelt.

Jimmie Durham Portrait. Foto: William Nicholson
Jimmie Durham Portrait. Foto: William Nicholson.

Die Löwen

Ausgeteilt werden die Löwen zur Eröffung der Biennale am 11. Mai 2019. Neben der Auszeichnung fürs Lebenswerk schüttet die Biennale weitere Löwen für den besten nationalen Pavillon, die beste Künstlerin der Zentral­ausstellung und den besten Nachwuchs­künstler aus.

Der Goldene Löwe für das Lebenswerk vergibt das Direktorium der Biennale auf Vorschlag des Kurators. Über die weiteren Löwen entscheidet heuer eine fünfköpfige Jury von Ausstellungs­machern unter dem Vorsitz von Stephanie Rosenthal, der Direktorin des Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Goldene und silberne Löwen werden erst seit 1986 auf der Kunst­biennale von Venedig verliehen, übernommen von der Kino­biennale, wo es die Löwen schon seit 1949 gibt.

Die Preisträger 2017

Auf der letzten Biennale, 2017, ging der Goldene Löwe für den besten nationalen Beitrag an den deutschen Pavillon mit Anne Imhofs Performance Faust (mehr zu Anne Imhofs Faust). Als bester Künstler der Zentral­ausstellung wurde Franz Erhard Walther ausgezeichnet.

Einen silbernen Löwen als „viel­­versprechender junger Künstler“ nahm Hassan Khan mit nach Hause für seine starke Sound­installation Composition for a Public Park im Giardino delle Vergini auf dem Gelände des Arsenale. Die im März 2019 verstorbene Carolee Schneemann wurde mit einem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt.