Die zehn besten nationalen Pavillons – Biennale Venedig 2015

Im Raum zwischen Poesie und Katastrophe

Die Top 10: Rumänien, Kroatien, Estland, Neuseeland, Polen, Korea, Japan, Norwegen, Uruguay und Chile – Ein Rundgang durch die besten Pavillons der 56. Internationalen Kunstausstellung in Venedig.

Die Jury der Biennale und die professionelle Kunstkritik hat ihre Favouriten benannt, beschrieben, ausgezeichnet oder gelobt. Naturgemäß liegen alle daneben. Nach Sichtung aller 80 offiziellen Länderbeiträge  * : Welche nationalen Ausstellungen sind wirklich die Spannendsten auf dieser Biennale?

Die Erfindung der Wahrheit in zwei rumänischen Ausstellungen

Adrian Ghenie, Opernplatz, 2015, Öl auf Leinwand, 130x100cm. Romania. Adrian Ghenie: Darwin’s Room. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di VeneziaAdrian Ghenie, Opernplatz, 2015, Öl auf Leinwand, 130x100cm. Romania. Adrian Ghenie: Darwin’s Room. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di Venezia.Gleich mit zwei Ausstellungen geht Rumänien an den Start der Biennale 2015. Malerei von Adrian Ghenie (*1977 in Baia Mare) ist im rumänischen Pavillon in den Giardini zu sehen. Darwin’s Room zeigt rund zwanzig Arbeiten, meist Ölgemälde (selten geworden in Vendig) des in Berlin lebenden Künstlers. Ghenies expressiv gebrochene, figurative Malerei erkundet und rekonfiguriert Schlüssel­figuren und Schlüssel­ereignisse der Moderne – Darwin eben, Lenin, Hitler, Mengele, van Gogh, Duchamp, die Bücherverbrennungen auf dem Opernplatz – und er rekonstruiert die Moderne als Spielplatz des Irrationalen.

„Auch wenn wir im Jahr 2015 leben“, sagt Ghenie, „so lebt doch ein großer Teil der Menschheit im Paradigma des Irrationalen, in einer Art Mittelalter, sebst wenn die Leute, die so leben, iPhones benutzen. Es ist eine Vor-Darwinsche Welt.“ Auch wenn das etwas unterkomplex formuliert ist, Ghenies Malerei ist es keineswegs.

In der Neuen Galerie des Rumänischen Kulturinstituts am Campo Santa Fosca versammelt eine Gruppenausstellung Arbeiten von sechs jungen rumänischen Künstlern: Inventing the Truth. On Fiction and Reality. Mit dabei sind 12 Fotografien auf Lightbox von Carmen Dobre-Hametner (*1978 in Bolintin-Vale): Consuming History. Die in München lebende Fotografin hat Bilder aus einem Themenpark in Vilnius mitgebracht, wo Touristen in einer dreistündigen, „Survival Drama“ genannten Show, den Schrecken der sowjetischen Herrschaft nachspielen können, inklusive militärischer Unterweisung, Verhör durch den KGB und einem abschließenden Essen, das typisch für die Sowjetzeit sein soll.

Carmen Dobre-Hametner, Consuming History, 2015, digital photograph, series of 12, 30.2 x 55.9 cm each, ultrachrome print on lightbox, edition of 5 + 2 ap. Courtesy: the artistCarmen Dobre-Hametner, Consuming History, 2015, digital photograph, series of 12, 30.2 x 55.9 cm each, ultrachrome print on lightbox, edition of 5 + 2 ap. Courtesy: the artist.

Die Fotos sehen aus wie Stills aus einem Low-Budget-Film, „in dem die Ausstatter und Beleuchter einen lausigen Job gemacht haben“, sagt Dobre-Hametner, das entspreche dieser „Soft-Simulation des traumatisierenden Lebens in der Sowjet­union“, in der die Geschichte eine handhabbare, kundentaugliche Form annehme und konsumiert werden könne: „Das Nachspielen von Geschichte ist eine Form des Erlebnis-Tourismus und ein Weg sich der traumatischen Vergangenheit einer Nation zu nähern.“ [Giardini, RO / Cannaregio, RO]

Erkundungen der menschlichen Haut im kroatischen Pavillon

Damir Očko (*1977 in Zagreb) bespielt die kroatische Niederlassung im Palazzo Pisani S. Marina mit einer ebenso intensiven wie irritierenden Schau: Studies on Shivering. The Third Degree. Zwei Videoarbeiten stehen im Mittelpunkt. The Third Degree (2015, 11:00 min.) zeigt in langsamer Kreisbewegung der Kamera die Haut einer Frau, ihren Rücken mit vernarbten Verbrennungen dritten Grades, an der Grenze des Aushaltbaren. Die Aufnahme wird durch eine Spiegelkonstruktion gebrochen, die auch die Kamera und das Filmteam zurück wirft, in das Subjekt des Films einbezieht und den Akt des Filmens transparent macht.

Damir Očko, The Third Degree, 2015. Film still, 4K transferred to HD video, 11’. Courtesy the artist and Tiziana Di Caro, NaplesDamir Očko, The Third Degree, 2015. Film still, 4K transferred to HD video, 11’. Courtesy the artist and Tiziana Di Caro, Naples.

Ebenso stark die zweite Arbeit: TK (2014, 19:48 min.) zeigt die zitternde Hand eines Parkinsonkranken, der immer wieder ansetzt, Sätze auf ein Blatt Papier zu schreiben. Sie beginnen stets mit den Worten „In Tranquillity“: „In Tranquillity there is no burden“. Im Gegenschnitt drei halbnackte Männer, die vor Kälte zitternd in einer eisigen Landschaft stehen.

Damir Očko, TK, 2014. Film still, 4K transferred to HD video, 19’48’’. Courtesy the artist and Tiziana Di Caro, NaplesDamir Očko, TK, 2014. Film still, 4K transferred to HD video, 19’48’’. Courtesy the artist and Tiziana Di Caro, Naples.

Ihn interessiere die Verletztlichkeit und zugleich die Widerstandsfähigkeit der menschlichen Haut, sagt Očko, nicht in biologischer Perspektive, sondern als Grenze zwischen dem Selbst und der Gesellschaft. Er ist auch als Lyriker unterwegs, Blätter mit Gedichten liegen zur Mitnahme bereit, seine Stärken liegen aber deutlich im Visuellen. [Cannaregio, HR]

Die Geschichte des Vorsitzenden im estnischen Pavillon

ESTONIA. Not Suitable For Work. A Chairman’s Tale, Jaanus Samma. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy: la Biennale di VeneziaESTONIA. Not Suitable For Work. A Chairman’s Tale, Jaanus Samma. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy: la Biennale di VeneziaNot Suitable For Work. A Chairman’s Tale heißt die vom 1982 in Tallinn geborenen Künstler Jaanus Samma für Estland eingerichtete, sehr starke Ausstellung. NSFW muss man ebenso mit Ernst nehmen wie die Warnung am Eingang des gastgebenden Palazzo Malipiero, die Ausstellung enthalte Werke mit expliziten sexuellen Darstellungen, die manche Besucher als anstößig empfinden könnten.

Samma rekonstruiert die Geschichte des Vorsitzenden einer LPG in der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Der Held des Großen Vaterländischen Krieges und Familienvater wurde 1966 wegen homosexueller Umtriebe zu anderthalben Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Archivfotos, eine Vitrine mit persönlichen Gegenständen und mit Instrumenten, die im Rahmen der kriminalmedizinischen Untersuchung zur Anwendung kamen, sowie Auszüge aus der Ermittlungsakte beglaubigen die Geschichte.

Drei, vom estnischen Filmemacher Marko Raat gedrehte Kurzfilme verdichten Schlüsselmomente aus dem Leben des Vorsitzenden, Natursekt-Aktionen in öffentlicher Toilette und Anwendung des kriminalmedizinischen Instrumentariums eingeschlossen. Eine sehr mächtige, etwas verstörende Ausstellung. [San Marco, EE]

Die Five Eyes im neuseeländischen Pavillion

Wo wir gerade bei Recherche- und Dokumentations­projekten sind: Simon Denny (*1982 in Auckland, lebt in Berlin) stellt für Neuseeland an zwei Standorten in Venedig aus: In der Ankunftshalle des Flughafens Marco Polo International und im Prunksaal der Biblioteca Nazionale Marciana am Markusplatz.

Im Flughafen sind fotografische Reproduktionen des Prunksaals auf Böden, Wänden und Gepäcklaufbändern angebracht (was man aber leicht als etwas misslungenen Designversuch einer Tourismusbehörde missdeuten kann). Wichtiger ist ohnehin die Installation in der Biblioteca Marciana. Dort sind in Server-Racks, die Denny zu Ausstellungsvitrinen umbaut hat, Materialien und Interpretationen zur visuellen Kultur der NSA und des GCHQ versammelt.

Simon Denny, Secret Power, installation view, 2015. Photo: Nick AshSimon Denny, Secret Power, installation view, 2015. Photo: Nick Ash.

Die Ausstellung stellt Designs der Unternehmens­kommunikation, die Gestaltung von geleakten Schaubildern und von Ausbildungs­materialien westlicher Geheimdienste der repräsentativen Renaissance­kunst im Prunksaal gegenüber.

Das geopolitische Wissen, das in der frühen Neuzeit Venedig den Status einer Mittel­macht mit globaler Reichweite verschafft hat und das in der Bibliothek sich etwa in Form von Globen und Karten manifestiert, korrespondiert mit dem Wissen, das die geheimen Mächte der Gegenwart sammeln, mit noch deutlich größerer Reichweite. Neuseeländische Sicherheitsbehörden sind Teil der „Five Eyes“-Allianz von angel­sächsischen Geheimdiensten unter Führung der NSA: Secret Power. [San Marco, NZa / Aeroporto, NZb]

Nationaloper mit Ziege im polnischen Pavillon

C.T. Jasper, Joanna Malinowska, Halka/Haiti. 18°48’05”N 72°23’01”W, 2015. Soloists from the Poznań Opera House during performance in Cazale. Photo by Damas Porcena (Dams). Courtesy of the artists and Zachęta – National Gallery of ArtC.T. Jasper, Joanna Malinowska, Halka/Haiti. 18°48’05”N 72°23’01”W, 2015. Soloists from the Poznań Opera House during performance in Cazale. Photo by Damas Porcena (Dams). Courtesy of the artists and Zachęta – National Gallery of Art.

Sehr skurril und sehr faszinierend ist der polnische Beitrag zur Biennale. Die Video- und Performancekünstler Christian Tomaszewski Jasper (*1971 in Gdansk) und Joanna Malinowska (*1972 in Gdynia) – beide leben in New York – haben es unternommen, im haitianischen Dorf Cazale, so zwanzigdreißig Kilometer nördlich von Port-au-Prince, mitten auf der Landstraße, die polnische Nationaloper Halka von Stanisław Moniuszko zur Aufführung zu bringen.

Das Breitwandvideo im polnischen Pavillon zeigt die einmalige Inszenierung mit Solisten der Oper Poznań und dem Philharmonic Orchestra von Port-au-Prince, Motorräder fahren vorbei, eine Ziege ist am Pflock gefesselt und kann nicht weg und guckt verwirrt.

In Cazale leben Nachfahren von polnischen Soldaten, die Anfang des 19. Jahr­hunderts für die Unabhängigkeit Haitis gegen die französische Kolonialisten kämpften. Inspiriert sei die Opernaktion von Werner Herzogs Fitzcarraldo. Sehr sehenswert: Halka/Haiti. 18°48’05”N 72°23’01”W [Giardini, PL]

Die Archäologie der Zukunft im koreanischen Pavillon

Die koreanische Niederlassung in den Giardini wird von Moon Kyungwon (*1969 in Seoul) und Jeon Joonho (*1969 in Busan) bespielt. Ihre Mehrkanal-Video­installation, The Ways of Folding Space & Flying (2015, 10:30 min.), führt ihr „futuro-retrospektives“ Projekt fort, in der Visionen einer hochtechnisierten, post­apokalyptischen Zukunft sich mit einer Archäologie der Gegenwart und Vergangen­heit verbinden. Das hat etwas von visueller Überwältigungsrhetorik an sich, ist aber von atemberaubender Wirkung.

MOON Kyungwon & JEON Joonho, The Ways of Folding Space & Flying, 2015, HD Film Installation, 10 min. 30 sec., Dimensions Variable © MOON Kyungwon & JEON JoonhoMOON Kyungwon & JEON Joonho, The Ways of Folding Space & Flying, 2015, HD Film Installation, 10 min. 30 sec., Dimensions Variable © MOON Kyungwon & JEON Joonho.

Projektionen an den Glaswänden des Pavillons werfen diese Bildwelt hinein in die Biennalegärten, deren Abbild wiederum im Innern des Pavillons in die Zunkunftswelt integriert wird. Moons und Jeons Videoinstallation El fin del mundo (2012), die mit der gleichen Bildästhetik wie ihr Biennalebeitrag operierte, gehörte schon auf der letzten Documenta zu den stärksten Stücken. Hier wie dort – ohne dass sich ihre symbolischen Bildwelten in eine einfache Story überführen ließen – stellen Moon und Jeon eine Zukunft vor, in der gegenwärtige Begriffe von Kunst und Kreavität keine Rolle mehr spielen, ein Hephaistos schmiedet dagegen an. [Giardini, KR]

COREA, Repubblica di, The Ways of Folding Space & Flying, MOON Kyungwon & JEON Joonho. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di VeneziaCOREA, Repubblica di, The Ways of Folding Space & Flying, MOON Kyungwon & JEON Joonho. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di Venezia

Der Garn der Erinnerung im japanischen Pavillon

Gleich nebenan, in der japanischen Vertretung auf der Biennale, ist die Groß­installation The Key in the Hand (2015) von Chiharu Shiota (*1972 in Osaka) zu sehen. Shiota, die seit 1996 in Berlin lebt, webt ein dichtes Geflecht von rotem Garn durch den Pavillon, daran hängen unzählige Schlüssel (sie hatte vor einiger Zeit auch im Netz dazu aufgerufen, ihr Schlüssel zuzusenden). Zwei Holzboote sollen Hände symbolisieren, die fangen den Regen der Erinnerungen auf, für die die Schlüssel stehen, sagt der Kurator Hitoshi Nakano. Nun ja. Egal wie, die Installation ist von einer sehr unmittelbaren, anrührenden Schönheit.

GIAPPONE. The Key in the Hand, Chiharu Shiota. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy: la Biennale di VeneziaGIAPPONE. The Key in the Hand, Chiharu Shiota. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy: la Biennale di Venezia

Weniger überzeugend sind allerdings vier Videos im Außenbereich des Pavillons: Kinder erzählen von ihren Vorstellung von der Zeit vor ihrer Geburt und den Erinnerungen an die Zeit danach. [Giardini, JP]

Das Singen der Scherben im nordischen Pavillon

Der Pavillon der nordischen Länder wird in diesem Jahr von der in Oslo lebenden Klangkünstlerin Camille Norment (*1970 in Silver Spring) bespielt: Rapture. Von außen sieht das aus wie nach einem furchtbaren Unwetter oder nach schlimmen Folgen von Vandalismus: Die Glasfront des Pavillons scheint aufgebrochen, großflächig Scherben überall, die Rahmen sind aus den Verankerungen gerissen.

PAESI NORDICI (NORVEGIA), Rapture, Camille Norment. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Alessandra Chemollo. Courtesy: la Biennale di VeneziaPAESI NORDICI (NORVEGIA), Rapture, Camille Norment. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Alessandra Chemollo. Courtesy: la Biennale di Venezia.

Im Innern eine verzaubernde Klanginstallation, Musik für Glasharmonika und Chor im Tritonus. Resonatoren bringen die Scherben zum Singen. Norment zitiert den Satz des 2010 verstorbenen Komponisten Arne Nordheim als Inspiration: Musik entfalte sich in dem Raum zwischen Poesie und Katastrophe. [Giardini, NO]

Eine Einübung in die Kurzsichtigkeit im Pavillon Uruguays

URUGUAY,Global Myopia II (Pencil & Paper), Marco Maggi. 56. Esposizione Internazionale d’Arte - la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di VeneziaURUGUAY,Global Myopia II (Pencil & Paper), Marco Maggi. 56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia, All the World’s Futures. Photo by Sara Sagui. Courtesy by la Biennale di Venezia.Dahinter, im kleinen Pavillon Uruguays, hat man bei einem flüchtigen Blick den Eindruck, hier werde ein leerer weißer Raum ausgestellt. Ein genaueres Hinschauen endeckt kleine filigrane Strukturen, weiße Papierstreifen auf dem weißen Grund, Linien, Bögen, Scheiben, Rechtecke, die sich nur wenige Millimeter von der Wand erheben.

Global Myopia II (Pencil & Paper) nennt Marco Maggi (*1957 in Montevideo) seine Einübung in die Kurzsichtigkeit und in die Genauigkeit des Beobachtens. Drei Monate soll es gedauert haben, bis die 10.000 selbstklebenden Papierstücke zu der Installation zusammengefügt waren, ein 3D-Schaltplan oder Strickmuster oder der Stadtplan einer unmöglichen Stadt könnte das sein. Ein wenig rätselhaft, sehr leise und wunderschön. [Giardini, UY]

Marco Maggi, Paper Drawing (black and white triptych). 2014. Courtesy of Galeria Cayón. Free from CopyrightMarco Maggi, Paper Drawing (black and white triptych). 2014. Courtesy of Galeria Cayón. Free from Copyright.

Die Poetik der Dissidenz im chilenischen Pavillon

Paz Errázuriz, Infarto del alma 1. Chile, 1993. Courtesy of the artistPaz Errázuriz, Infarto del alma 1. Chile, 1993. Courtesy of the artistDie besten Fotos gibt’s im chilenischen Pavillon im Arsenale – lässt man mal den historischen Rückgriff auf Arbeiten von Walker Evans (1903-1975) aus der Serie Let Us Now Praise Famous Men (1936) in der Zentralausstellung beiseite. Chile also stellt unter dem Titel „Poéticas de la disidencia“ u.a. Fotografien von Paz Errázuriz (*1944 in Santiago) aus, Erkundungen am Rande der Gesellschaft, bei Transsexuellen in Zeiten der Pinochet-Diktatur (La manzana de Adán, 1981-1988), bei Liebespaaren in einem psychiatrischen Krankenhaus (El Infarto del alma, 1993/94) und – als einzige der drei Serien in Farbe – von Menschen, die an totaler Farbenblindheit leiden (La luz que me ciega, 2010). [Arsenale, CL]


 *   Hinzu kommt noch der Pavillon Venedigs und manche Länderbeiträge verteilen sich auf mehrere Standorte, es sind also – wenn ich mich nicht verzählt habe – insgesamt 87 Ausstellungen. „Sichtung aller“ ist ein Bisschen gelogen: Die Vertretung Weißrußlands mit einem interessant klingenden Projekt „War Witness Archive“ war in den vergangen Tagen trotz mehrmaliger Versuche nicht zugänglich, weiß der Geier warum. Und nicht alle Ausstellungen des „Friendship Project“ von San Marino und China habe ich mir angeschaut, die Gründe dafür seien bei anderer Gelegenheit ausgeführt.

56. Esposizione Internazionale d’Arte – la Biennale di Venezia: All the World’s Futures. Venedig, 9. Mai – 22. November 2015.