Die wichtigsten Ausstellungen in NRW 2015

Eine Vorschau

Viel chinesische Gegenwartskunst gibt es 2015 in NRW, Sigmar Polke, Francisco de Zurbarán und die neolithische Revolution. Was sonst kann man sich vormerken? Und welche Ausstellungen lohnen eine längere Anreise?

[Die aktuelle Vorschau auf Ausstellungen des Jahres 2019 finden Sie hier: Die wichtigsten Ausstellungen 2019 in NRW.]

Symbolbild Ausstellung. Museum in Warschau. Foto: jvf

Im Sommer 2015 wird die Ausstellungslandschaft in NRW ganz im Zeichen chinesischer Gegenwartskunst stehen. Ab 15. Mai und bis 13. September zeigen neun Häuser in der Region unter dem Label China 8 Zeitgenössisches von rund 80 Künstlern aus dem Land der Mitte:

Veranstalter der China 8 ist die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. in Bonn.

Überblicksausstellungen Gegenwartskunst

Den Überblick über das zeitgenössische Kunstschaffen in NRW ermöglicht im März die alljährliche Große Kunstausstellung NRW im Düsseldorfer Museum Kunstpalast (8.–29. März). Die Bemühungen des bundesweiten Nachwuchses sind anschließend im Rahmen des 22. Bundeswettbewerbs in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle zu sehen. Zu dem Wettbewerb nominieren die 24 Kunsthochschulen im Land alle zwei Jahre je zwei ihrer Studentinnen und Studenten (17. April – 17. Mai). Einen Eindruck vom Stand der internationalen Videokunst vermittelt schon vorher die Videonale.15, die vom 27. Februar bis 19. April im Kunstmuseum Bonn zu Gast ist. Arbeiten von knapp 40 Künstlern und Kollektiven sind dort unter dem Label „The Call of the Wild“ von der Videonale-Jury ausgewählt worden.

Reisefreudigen empfiehlt sich zudem im Frühjahr ein Abstecher nach Hamburg: Die Deichtorhallen feiern ihr 25-jähriges Jubiliäum und die Eröffnung der frisch sanierten „Halle für aktuelle Kunst“ mit einer Großausstellung in Sachen Picasso in der zeitgenössischen Kunst (3. April bis 12. Juli). In Venedig beginnt derweil Anfang Mai – wegen Synchronisierung mit der Weltausstellung in Mailand außer­gewöhnlich früh im Jahr – die 56. Internationale Kunstausstellung der Biennale di Venezia (9. Mai bis 22. November).

ZERO

Vor 60 Jahren mieteten sich eine Handvoll Düsseldorfer Künstler in Unterbilk in das „Ruinenatelier“ an der Gladbacher Straße ein, darunter Heinz Mack und Otto Piene, die Gründer der späteren ZERO-Gruppe. Die Ausstellung ZERO – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre erinnert im Berliner Gropius-Bau an den Aufbruch der kinetischen Kunst in der Nachkriegszeit (21. März bis 8. Juni, die Ausstellung ist zuvor in New York, später – Juli bis November – in Amsterdam zu sehen).

Ganz auf den ZERO-Künstler Günther Uecker konzentriert sich dagegen das Düsseldorfer K20 am Grabbeplatz mit seiner Retrospektive auf das Werk des deutschen Nagel-Meisters (7. Februar bis 10. Mai). Den Reliefarbeiten des Kollegen Heinz Mack widmet das Museum Frieder Burda in Baden-Baden seine Sommer­ausstellung (16. Mai bis 20. September). Für 2016 plant das Landesmuseum in Bonn übrigens ein Reenactment der legendären ZERO-Ausstellung von 1966 in der damaligen Bundeshauptstadt.

Retrospektiven 20. Jahrhundert und Gegenwart

Das Ludwig Museum in Köln übernimmt im Frühjahr aus New York und London die – zumindest in der Londoner Fassung – sehr spannende Retrospektive auf das Werk des rheinischen „kapitalistischen Realisten“ Sigmar Polke (14. März bis 5. Juli). Das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln versammelt im Herbst Malerei und Plastik von Leiko Ikemura. Die in Deutschland lebende japanische Künstlerin wurde 2014 mit dem Cologne-Fine-Art-Preis ausgezeichnet (26. September 2015 bis 31. Januar 2016).

Im Sommer zeigt das Kunstmuseum in Bonn Malerei von elf New Yorker Gegenwarts­künstlern, u.a. von Matt Connors, Eddie Martinez, Antek Walczak und Ned Vena: New York Painting (14. Mai bis 6. September). Drei Wochen später eröffnet im gleichen Haus eine Retrospektive auf das Werk von Frank Auerbach. Der britische Maler, 1931 in Berlin geboren, vor den Nazis 1939 nach England gerettet, gilt als eine der zentralen Persönlichkeiten der zeitgenössischen englischen figurativ-expressiven Malerei. Die Ausstellung (4. Juni bis 13. September) wird in Kooperation mit der Londoner Tate Britain eingerichtet und ist dort ab Oktober 2015 zu sehen.

Im Winter 2015/2016 dann erschließt das K20 in Düsseldorf das Werk der US-amerikanischen Minimalistin Agnes Martin (7. November 2015 bis 6. März 2016). Die Retrospektive auf das Werk der 2004 in New Mexico verstorbenen Künstlerin ist im Sommer 2015 bereits in der Tate Modern in London zu sehen, nach dem rheinischen Gastspiel dann in Los Angeles und New York. Das Museum für Gegenwartskunst in Siegen erinnert derweil aus Anlass des 10. Todestags von Rémy Zaugg an die Arbeiten des schweizer Malers und Konzeptkünstlers: Rémy Zaugg: Die Frage der Wahrnehmung (1. November 2015 bis 6. März 2016). Die nächste Station ist ab Frühjahr 2016 das Museo Reina Sofia in Madrid.

Ganz sicher einen Publikumsrenner haben die Brüsseler Musées royaux des Beaux-Arts auf dem Frühjahrsprogramm, wenn sie die rund 200 Werke umfassende Retrospektive auf das Werk von Marc Chagall (28. Februar bis 28. Juni) aus Mailand übernehmen.

Klassische Moderne

Claude Monet, Jeunes filles en barque, 1887. Quelle: wikimedia commons. Lizenz: PD-ArtClaude Monet, Jeunes filles en barque, 1887. Quelle: wikimedia commons. Lizenz: PD-Art.Für Liebhaber der impressionistischen Malerei plant die Kunst- und Ausstellungs­halle in Bonn ein Gastspiel von japanischen Sammlungen und will Wechselwirkungen von vornehmlich französischer und japanischer Moderne erkunden: Japans Liebe zum Impressionismus, 8. Oktober 2015 bis 21. Februar 2016.

Schon vorher dokumentiert in Paris (bis 8. Februar) und London (4. März bis 31. Mai) eine Ausstellung die Bedeutung des Kunsthändlers und Galeristen Paul Durand-Ruel. Der unterstützte früh die impressionistischen Maler und hatte wesentlichen Anteil an ihrer Durchsetzung am Markt: Paul Durand-Ruel. Le pari de l’impressionnisme / Inventing Impressionism. Den Anfängen der impressionistischen Bewegung wendet sich im Frühjahr auch das Frankfurter Städelmuseum zu: Monet und die Geburt des Impressionismus (11. März bis 21. Juni). Die Fondation Beyeler in Basel setzt unterdessen auf Paul Gauguin (8. Februar bis 28. Juni) und verspricht rund 50 Meisterwerke des Postimpressionisten zu versammeln.

2015 jährt sich der Todestag von Vincent van Gogh zum 125. Mal. Das führt zu einer ganzen Reihe von Ausstellungen (Überblick), bemerkenswert v.a. eine Kooperation des Munch Museums und des Van Gogh Museums, die Werke der beiden Großmeister der klassischen Moderne gegenüber stellen: Munch : Van Gogh in Oslo (7. Mai bis 6. September 2015) und in Amsterdam (25. September 2015 bis 17. Januar 2016).

In der Stuttgarter Staatsgalerie ist noch bis 6. April eine vorzügliche Retrospektive auf das Werk des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer zu sehen.

Die Frankfurter Schirn Kunsthalle macht später im Jahr die Kunst von Frauen im Umfeld der Berliner Sturm-Galerie zum Thema einer Großausstellung: Sturmfrauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932 (30. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016) mit rund 280 Werken u.a. von Sonia Delaunay, Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin.

Gegen Ende des Jahres dann zeigt das LWL-Museum in Münster Werke des westfälischen Expressionisten Wilhelm Morgner im Kontext der europäischen Avantgarde jener Tage (14. November 2015 bis 6. März 2016). Morgners 125. Geburtstag steht im Januar 2016 zur Feier an.

Alte Meister

Francisco de Zurbarán, Die Heilige Casilda, um 1630. Quelle: wikimedia commons. Lizenz: PD-ArtFrancisco de Zurbarán, Die Heilige Casilda, um 1630. Quelle: wikimedia commons. Lizenz: PD-Art.In Sachen Kunst der alten Meister steht ganz oben auf der NRW-Agenda 2015 eine Schau mit Werken des spanischen Barock­meisters Francisco de Zurbarán im Düssel­dorfer Museum Kunstpalast (10. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016). Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museo del arte Thyssen-Bornemisza in Madrid und ist dort schon im Sommer zu sehen (9. Juni bis 13. September). Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln unternimmt es ab Herbst, an den niederländischen Barock­maler Godefridus Schalcken zu erinnern, den „Meister des Lichts“: Schalcken – Gemalte Verführung (25. September 2015 bis 24. Januar 2016).

Zu den Höhepunkten der europäischen Agenda wird die ganz großartig bestückte Schau mit Spätwerken Rembrandts im Amsterdamer Rijksmuseum gehören: Late Rembrandt (12. Februar bis 17. Mai, vorher in London). Fast zeitgleich steht die Portrait­kunst der Renaissance im Mittel­punkt einer Ausstellung im Brüsseler Palais des Beaux-Arts, die unter dem Label Faces Then / Faces Now Portraitmalerei niederländischer Alter Meister mit heutiger Portraitfotografie konfrontiert (6. Februar bis 17. Mai).

Der Wirkungsgeschichte der beiden größten italienischen Renaissancemeister widmen sich zwei Ausstellungen in Bonn und Berlin. Die Kunst- und Ausstellungs­halle in Bonn kümmert sich im Frühjahr um den impact Michelangelo Buonarrotis auf die Kunst der letzten 500 Jahre, von Raffael bis Mapplethorpe: Der Göttliche – Hommage an Michelangelo (6. Februar bis 25. Mai). Im Herbst nimmt sich die Gemäldegalerie in Berlin Sandro Botticellis Werk und seiner Wirkungsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert an: The Botticelli Renaissance, 24. September 2015 bis 24. Januar 2016.

Von Nasen und Betten und Küssen

Zwei Ausstellungen mit eher ungewöhnlichem Zugriff auf die Kunst sind bei den südlichen Nachbarn geplant. Das 21er Haus in Wien zeigt Schlaflos – Betten in der Geschichte und zeitgenössischen Kunst (30. Januar bis 7. Juni). Das sehr geschätzte Museum Tinguely in Basel untersucht die traditionell weithin gering geschätzten ästhetischen Potentiale des Geruchsinns: Belle Haleine – Der Duft der Kunst (11. Februar bis 17. Mai).

Das Musée Maillol in Paris kümmert sich unterdessen um die Bedeutung des Küssens in der westlichen Kunst von der Renaissance bis heute: Le Baiser dans l’art occidental (25. März bis 26. Juli).

Geschichte: Von der neolithischen Revolution bis zur Zukunft

Die Eiszeitjäger von Oberkassel, © Karol Schauer, LVR-Landesmuseum BonnDie Eiszeitjäger von Oberkassel, © Karol Schauer, LVR-Landesmuseum Bonn.Das LVR-Landesmuseum in Bonn erkundet noch bis 28. Juni das Leben der Menschen in der Eiszeit: Eiszeitjäger – Leben im Paradies. Europa vor 15.000 Jahren bevor dann ab Herbst die Geschichte der neolithischen Revolution im Rahmen der „Archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen 2015“ aufgearbeitet wird: Revolution Jungsteinzeit (5. September 2015 bis 3. April 2016).

Das Ruhr Museum auf Zollverein in Essen will unterdessen die Frühgeschichte des Ruhrgebiets erkunden: Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr (27. März bis 23. August).

Im Umland nimmt man bereits jetzt Anlauf zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers (1517). Im sächsischen Torgau, genauer im Schloss Hartenfels eröffnet im Mai die erste von vier Großausstellungen, die das Reformations­jubiläum zum Gegenstand machen: Luther und die Fürsten (15. Mai bis 31. Oktober). Die restlichen drei „nationalen Sonderausstellungen“ in Eisenach, Wittenberg und schließlich in Berlin (Gropius-Bau) folgen 2017.

In heutigen Österreich ist der Protestantismus ja eher ein randständiges Phänomen, deshalb widmet man sich im Wiener Belvedere lieber der Erinnerung an die Konferenz zur nachnapoleonischen Neuordnung des europäischen Machtgefüges vor 200 Jahren: Europa in Wien – Der Wiener Kongress 1814/15 (20. Februar bis 21. Juni).

In Berlin planen das Deutsche Historische Museum und das Schwule Museum für die 2. Jahreshälfte mit einer Doppelausstellung zur Geschichte und Politik, Kultur und Kunst lesbischer Frauen und schwuler Männer: Zur Geschichte der Homosexualität_en (26. Juni bis 1. Dezember).

Im Herbst dann plant der Pariser Louvre eine Ausstellung zur Geschichte der Zukunft, inspiriert von Jacques Attalis Vision eines „Hyperchaos“ in Folge des totalitären Kapitalismus: Brève histoire de l’Avenir (24. September 2015 bis 4. Januar 2016).

Die Agenda 2015 NRW

Reiseplanung 2015

Die Angaben zu den Ausstellungen sind den langfristigen Planungen und Vorankündigungen der Museen und Kunsthallen entnommen (Stand Dezember 2014). Bevor Sie zu einer Ausstellung anfahren, informieren Sie sich bitte bei den jeweiligen Veranstaltern über etwaige Planänderungen oder Verschiebungen.

Nachtrag 23.10.2015

Die ursprünglich für den Winter 2015/16 von der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn geplante Ausstellung zur Kunst der Fidschi-Inseln entfällt.