Die wichtigsten Ausstellungen im Rheinland 2012

Eine Vorschau

El Greco und die Moderne in Düsseldorf, die Rückschau auf die Sonderbundausstellung 1912 in Köln, ein politischer Rubens in Wuppertal: Das könnten die Höhepunkte des rheinischen Ausstellungsjahres 2012 werden. Hinzu kommen Ausstellungen zu Göttern und Menschenaffen, Toren und Heiligen, Warhol und Oldenburg, Hockney und Oehlen.

[Die aktuelle Vorschau auf Ausstellungen des Jahres 2019 finden Sie hier: Die wichtigsten Ausstellungen 2019 in NRW.]

Nach dem Kalender der Maya beginnt, so höre ich, in unserem Jahr 2012 eine neue Zeitrechnung oder der Weltuntergang steht an oder eine zweite Schöpfung, so genau weiß man das nicht. Untergangsenthusiasten behaupten jedenfalls, am 23. Dezember sei es soweit, wir tun also gut daran, vorher noch alle wichtigen Ausstellungen im Rheinland mitzunehmen und für den 24. Dezember ff. keine weiteren Termine auszumachen.

Klassische Moderne

Die Jubiläumsschau zur Sonderbundausstellung 1912 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum ist also etwas optimistisch terminiert, sie soll bis zum 30. Dezember laufen, beginnt aber bereits im Hochsommer. Es bleibt also genug Zeit, sich diese Rekonstruktion der epochemachenden, ersten systematischen Zusammenstellung von Kunst der Moderne in Europa anzuschauen.

Bereits im Frühjahr widmet sich das Wuppertaler Von der Heydt-Museum der 1912 in Berlin von Herwarth Walden eröffneten Galerie „Der Sturm“. Sie war bis Ende der 20er Jahre eines der wichtigsten Zentren avantgardistischer Kunst des Expressionismus, Futurismus und Kubismus. Im Herbst sieht sich das Essener Museum Folkwang im „Farbenrausch“, wenn es Werke von Fauvisten und Expressionisten gegenüberstellt.

El Greco, Laokoon, 1604/14. Foto: Postdlf. Lizenz: PD. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:El_Greco_-_Laocoon.jpgIm Sommer ist im Düsseldorfer Ehrenhof die El Greco-Rezeption in der Moderne zu studieren. Das Museum Kunst Palast verspricht, rund einhundert Werke von Cézanne, Picasso, Marc, Kokoschka u.a. zu versammeln, die sich mit der Bildwelt des griechischen Meisters des spanischen Manierismus auseinander setzen. Auch diese Ausstellung bezieht sich auf das Jahr 1912 als in Düsseldorf erstmals Werke El Grecos gezeigt wurden und Künstler des Blauen Reiters ihn zum „Vater der Moderne“ ausriefen.

Alte Meister

Man kann die Düsseldorfer Schau auch als Ersatz für die u.a. in Toledo geplanten Großausstellungen zum El Greco Jahr 2014 nehmen, dann würde sich dessen Todestag zum vierhundertsten Mal jähren, aber da sind ja die Maya vor. Neben den Exponaten zum Einfluss des Griechen auf die Moderne, haben sich die Düsseldorfer vorgenommen, eine „gültigen Auswahl von rund 40 Werken“ des Meisters herbei zu schaffen, man wird sehen.

Rubens, Perseus befreit Andromeda, 1622. Foto: jvf. Lizenz: PD.In Wuppertal will das Von der Heydt-Museum ab Herbst einen neuen Blick auf Peter Paul Rubens werfen, seine Kunst im Kontext der europäischen Politik des 17. Jahrhunderts verorten und Rubens‘ diplomatischem Wirken gerecht werden. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Antwerpener Museum für die Schönen Künste, das wegen Renovierung geschlossen ist. Niederländische Barockmalerei ist auch in Aachen zu sehen: Das Suermondt-Ludwig-Museum zeigt im Frühjahr Genremalerei von Cornelis Bega.

Kunst der Gegenwart und der Nachkriegszeit

Auch Ende Februar lohnt ein Abstecher nach Düsseldorf, wo die Große Kunstausstellung NRW im Museum Kunst Palast einen Einblick in das heutige rheinisch-westfälische Kunstschaffen gewährt. Schon etwas früher wird Tomás Saraceno den Kuppelsaal des Ständehauses mit seiner Rauminstallation In den Umlaufbahnen für ein knappes Jahr okkupieren. Ab Ende Februar zeigt das K21 zudem Werke des slowakischen Konzeptkünstlers Roman Ondák. Einige Tage später macht das Kunstmuseum Bonn seinen Querschnitt durch das Werk des „Jungen Wilden“ Albert Oehlen zugänglich.

Der New Yorker Kunstszene der 80er Jahre widmet die Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn im Frühjahr eine Schau mit Werken von Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente, mit Schwerpunkt auf den Gemeinschaftsarbeiten der drei Protagonisten der Pop-Art, des Neoexpressionismus und der Transavantgarde.

Im Umland der Rheinprovinz wird der Sommer dann in Sachen Gegenwartskunst von der Documenta 13 in Kassel und der Manifesta 9 im flandrischen Genk bestimmt.

Zeitgleich zeigt das Kölner Museum Ludwig dann mehr in Sachen Pop-Art in einer umfassenden Retrospektive auf das Werk des jungen Claes Oldenburg, bevor im Herbst David Hockney mit einer großen Einzelausstellung dran ist.

Und sonst

Antike Statue Papposilen. Foto: Marcus Cyron / mod jvf. Lizenz: CC-BY-SA-3.0. Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Rückkehr_der_Götter_-_Papposilen.JPG&filetimestamp=20100416204036Gleich zu Anfang des Jahres kommen die Götter zurück an den Rhein: Das Römisch-Germanische Museum in Köln zeigt ab Mitte Januar eine Wanderausstellung aus Beständen der Berliner Antikensammlung. Sie ist vorher bereits in Brasilien, Berlin und Mannheim zu sehen gewesen. Mit dabei ist die sehr eindrucksvolle, lebensgroße Statue eines Schauspielers in der Rolle des Papposilen.

Ab Frühjahr ist dann im verdienstvollen Neanderthal Museum zu Mettmann das Verhältnis des Menschen zum Menschenaffen Thema einer kulturhistorisch ausgerichteten Schau.

Im Herbst erkundet in Bonn die Kunst- und Ausstellungshalle in Kooperation mit dem Pariser Musée du quai Branly „(über)menschliche Grenzgänger der verschiedensten Zeitepochen und Kulturkreise“ unter dem Titel Lob der Torheit.

Im Winter dann hilft zuletzt eine Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums über die Endzeitstimmung hinweg: Der Comic-Zeichner Ralf König nimmt sich der Legende der heiligen Ursula und ihrer elftausend Jungfrauen an.