Der Erste Weltkrieg in der Literatur

„Aus der Mordsaison 1914-1918“

Was machte die Literatur angesichts der Schlächterei, die vor 100 Jahren die alte Welt zerrüttet hat? Was machten ihre Autoren? Was kann man lernen aus Erzählungen, Dramen, Gedichten über die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“? Und was davon ist heute noch des Lesens wert? Eine Erkundung in mutmaßlich neun Teilen.

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Westfront, Gefallener französischer Soldat. Bundesarchiv, Bild 102-00170A. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE.

Vor 100 Jahren, Ende Juli / Anfang August 1914, verabredeten die europäischen Machteliten das große Schlachtfest, den Weltkrieg. An die 70 Millionen Soldaten wurden mobilisiert, 17 Millionen Menschen starben in den nächsten vier Jahren in unmittelbarer Folge der Kriegshandlungen, Abermillionen wurden verletzt. Allein im Deutschen Reich wurden 13,2 Millionen Männer zum Militär eingezogen, über 6 Millionen davon wurden getötet oder verwundet.

Gegen die Versöhnung

Im Laufe des Jahres 2014 wird es in Europa mehrere Hundert Ausstellungen geben, die an den Ersten Weltkrieg erinnern, historische Ausstellungen, Kunst­ausstellungen. Historiker werden ihre Studien auf den Markt schmeißen, die Dokumentarfilme und Dokudramen sind längst geschnitten. Staatsoberhäupter und Regierungschefs werden zu Gedenkfeiern herbeieilen.

Das Erinnern birgt einiges Gefährdungspotential. Schlimmstenfalls wird man die Gedenkfeierlichkeiten nutzen, um nationale Ressentiments zu mobilisieren, als Instrument der Politik in der europäischen Krise. Bestenfalls wird man in Versöhnungsrhetorik schwelgen. Vielleicht ist dagegen ein gerüttelt Maß an Unversöhnlichkeit notwendig, Unversöhnlichkeit mit dem Nationalismus, dem Militarismus, dem Imperialismus und ihren Protagonisten und Propagandisten. Und Erinnerung an das ruinöse Versagen der Machteliten, den Zynismus der Militärs, die skandalöse Verblendung der Intellektuellen, das widerliche, im Grunde blasphemische Irrlichtern der christlichen Theologen und an die Kriegsindustrie, die Märkte, das Kapital …

Literatur also

Was kann da die Literatur leisten, sagen wir, der Teil der Literatur, der was taugt? Vielleicht gegen die Ästhetisierung des Krieges eine Äthetik des Schreckens setzen? Gegen die Abstraktion der Mordmaschinerie die Konkretheit des Leids? Schauen wir mal.

Und was gibt es eigentlich neben Remarques Im Westen nichts Neues, Jüngers In Stahlgewittern und Kraus‘ Die letzten Tage der Menschheit, Hašeks Der brave Soldat Schwejk? – obwohl auch die gelesen oder wiedergelesen sein wollen. Schauen wir mal.

Henri Barbusse, Le Feu.1. Teil: Henri Barbusse, Le Feu (1916)
Den Anfang soll Henri Barbusse machen. Sein Roman Le Feu – Journal d’une escouade erzählt vom „Selbstmord der Armeen“ und gilt als erste unverklärte Darstellung des Elends in den Schützen­gräben des Ersten Weltkriegs. [mehr]

2. Teil: Oskar Kanehl, Die Schande (1922)
Der Lyriker Oskar Kanehl (1888-1929) ist heute weitgehend vergessen. Zu Unrecht. Seine Gedichte über „Die Schande“ des Krieges gehören zu den ergreifendsten Antikriegstexten, die in den Schützengräben des 1. Weltkriegs geschrieben wurden. [mehr]