Bas de Wit und Sidi El Karchi im Bonnefantenmuseum Maastricht

The more you cry the less you pee

Sehr gegensätzliche Sichten auf den Menschen treffen da noch bis Ende Juni 2010 im Maastrichter Bonnefantenmuseum aufeinander. Eine kleine, aber sehenswerte Doppelausstellung zeigt Werke zweier junger Künstler aus der Region: Die schrillen, irgendwie mephistophelischen Arbeiten Bas de Wits und die eher stillen, charmanten Portraits Sidi El Karchis.

Bas de Wit, 1977 in Budel (Nordbrabant) geboren, Studium in Maastricht und Antwerpen, zeigt in seinen Objekten mit grimmigem, sardonischem Blick beschädigte Menschen, Gartenzwerge und Kentauren in auswegloser Bedrängnis. The more you cry the less you pee (2009) ist ein todesgroßer, aufgerissener menschlicher Torso, aus dem ein Rabe sich die Innereien pickt, ein zweiter Rabe thront triumphierend auf dem kopflosen Hals, ein dritter hat sich festgekrallt am halberigierten Schwanz, die Hüfte ist lose von einem Müllsack umgürtet, die linke Hand ist noch zur Faust erhoben, augenscheinlich vergeblich das. Der Torso hat es immerhin halbwegs hinter sich, nicht aber der Greis, mit Inkontinenzwindel und Schwimmflügeln versehen, und mit Füßen, die in monströsen Betonkuben einzementiert sind, er wird er nicht mehr viel bewegen bevor er fällt (Stop till you drop, 2010).

Mit einer gewissen Grausamkeit (oder vielleicht auch nur in grausamer Pose des Jungspunds) zeigt de Wit seine Menschen in leidender, lächerlicher Hilflosigkeit, farcenhafte Nachfahren Laokoons, kaum noch Restbestände an Würde können die behaupten – oder ist ihre Würde gerade darin zu suchen, dass die Lächerlichkeit ausgehalten wird? Von seinen schwarzgrundierten Gemälden schauen jedenfalls derweil satanische Gestalten auf die Szenerie. Und was weiß ich, was die swingenden Totenträger aus New Orleans in den beiden Monumentalgruppen Toontje Lager I/II (2008) außer dem gigantischen Radiorekorder noch zu Grabe tragen.

De Wits Arbeiten waren auch schon in der Rheinprovinz zu sehen, auf der Art Cologne und in Ausstellungen der Kölner Galerie Figge von Rosen. Abbildungen gibt es auf seiner Hompage.

Zurück im menschlichen Maß

Vielleicht kommt Sidi El Karchis stille Malerei gegen die lärmende Kunst de Wits in dieser Doppelausstellung etwas zu kurz.

El Karchi, 1975 im limburgischen Sittard geboren, hat sich nach seinem Maastrichter Kunststudium ganz der Portraitkunst verschrieben: charmant zurückhaltende, konzentrierte Bildnisse in einem flächig-comicartigen Stil mit wenig Requisiten macht er – stille Studien oft etwas entrückter oder auch in sich ruhender Menschen, ebenso distanziert (oder auch nicht invasiv) wie empathisch gezeichnet.

The Nomad (2009) und die Portraits der Mutter (My Mother, 2006 und The Annunciation, 2009) haben mir besonders gefallen. Bilder sind auf der Ausstellungsseite des Bonnefantenmuseums zu sehen.

Zwei kleine Broschüren zur Ausstellung mit anständigen Abbildungen und fragwürdigen Kurzessays sind für zusammen 25 Euro zu haben.

Sidi El Karchi / Bas de Wit. Maastricht, Bonnefantenmuseum. 11.4. – 27.6.2010.